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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

"tut" 
Bedenkt man, daß in 54 Siedehäusern je vier Pfannen im Betriebe 
waren, die Pfanne aber durchschnittlich pro Jahr 1250 Zentner Salz lieferte, 
so ist leicht verständlich, daß die Inhaber der Sülfmeisterstellen die erste 
Violine spielten, nicht allein im Handel und Verkehr, sondern auch in allen 
städtischen Fragen. Diese nun, an oberhoheitliche Interessen, weit mehr 
aber noch an jene eines hoch entwickelten Bürgertums geknüpft, führten 
andauernd und mit Erfolg zu dem Bestreben, die eigenen Rechte zu mehren, 
von den oberhoheitlichen Stück 
um Stück loszulösen un_d der 
eigenen Machtsphäre unterzuord- 
nen. Damit war der Ausgangs- 
punkt zu mannigfachen Konflikten 
gegeben. Lüneburg ist zwar keine 
freie Reichsstadt geworden, stand 
aber bezüglich des Ausmaßes an 
Selbständigkeit in der Führung 
seiner eigenen Angelegenheiten 
diesen nicht nach. Die Besetzung 
der Ratsstellen, welche durch 
Kooptation auf Lebenszeit er- 
folgte, unterlag dem Einüusse des 
Landesherrn in keiner Weise, 
ebensowenig Verwaltung, Gesetz- 
gebung, Rechtsprechung und mili- 
tärische Führung. In allem haben 
die Sülfrneister für ihre Zeit Vor- 
trefiliches geleistet. Mannhaft tra- 
ten sie auch stets für das von ihnen 
geleitete Gemeinwesen ein. Von 
Zeit zu Zeit erinnerten sich dann 
dieursprünglichenadeligenMacht- 
haber ihrer Befugnisse und ver- 
suchten, sich den Erwerb der 
Geschäftswelt durch tiefe Griffe 
in die öffentlichen Kassen zunutze zu machen. So entstand jener Zwiespalt 
zwischen städtischem Wesen, städtischer Tüchtigkeit und Interessen der 
Regierenden, der ja auch anderwärts erst zu Gegensätzlichkeiten, schließlich 
zum offenen Kampf führte. Lüneburgs Bürger fochten den Strauß, der mit 
der vollendeten Niederlage der Gegner endigte, in glorreicher Weise aus. 
136g starb Herzog Wilhelm der Edle ohne männliche Leibeserben. Albrecht, 
der Sohn seiner ältesten Tochter, die mit dem Herzog Otto von Sachsen- 
Wittenberg verheiratet war, hatte Ansprüche auf Lüneburg. Wilhelm, zu 
dessen Lebzeiten die Stadt durch allerlei Leistungen wichtige Verfassungs- 
zugeständnisse und Rechtsabtretungen, Handelsprivilegien weitreichender 
 
Abb. 23. Lüneburg, "Am Sande", Beispiel eines Haus- 
einganges mit „Beischlag" und „Utluchtei-i" 
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