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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

und 38, tritt das oberste Stock- 
werk durch seine Bogengliede- 
rung oder Blendenarchitektur weit 
kräftiger in Erscheinung als die 
darunter liegenden Partien, deren 
Fenster durchweg - beim mittel- 
alterlichen Hause wenigstens - 
als völlig schmucklose Wand- 
durchbrechungen behandelt sind. 
Das mag mit den Umbauten des 
DielenhausesimZusammenhange 
stehen. Die Haustüre erfährt fast 
durchweg, schon beim gotischen 
Hause, eine besondere Betonung 
durch mehr oder weniger reiche 
Proiilierung. Mit dem Eintritt der 
Renaissanceformen kommt zur 
eigentlichen Portalarchitektur die 
Gliederung der Tür selbst; ihre 
reichste Ausbildung erfährt sie 
im Barocco. Zur Portalanlage ge- 
sellt sich weiter der nur noch in 
wenigen Exemplaren vorhandene 
 23) Beischlag: Eine bank_ Abb. 57. Rathaus zu  Kamin aus der „Alten 
artige Sitzgelegenheit seitlich der 
Haustüre, meist mit ornamentierter Steinwange geschlossen. Die Mehrzahl 
dieser in die Trottoirs einschneidenden I-Iorizontalausladungen ist in der 
Neuzeit berechtigten Verkehrsrücksichten gewichen. Damit ist das Straßen- 
bild um manches reizvolle Motiv ärmer geworden. Die üppige Prachtentfal- 
tung, welche der Beischlag als Terrasse mit Freitreppe und bildhauerisch 
reich geschmückter Balustrade in anderen Hansastädten, zum Beispiel in 
Danzig, erfuhr, hat er in Lüneburg indes nicht erreicht. 
Als wichtigstes, am frühesten durchgebildetes Moment der architektoni- 
schen Außengliederung präsentiert sich der Giebel. Fr. Krüger, der darüber 
äußerst interessante vergleichende Studien angestellt und in dem bereits 
zitierten Werke „Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover" niedergelegt 
hat, unterscheidet sieben hauptsächliche Typen: Der einfachste folgt der 
Form des Dachstuhles als geschlossenes, in glatter Fläche gehaltenes (Abb. 24) 
oder durch einfache Lisenen (Erinnerung an frühere Holzkonstruktion, 
Abb. 25)": gegliedertes Dreieck. Über ihm hat die Renaissancezeit des öfteren 
 
' Am Äußeren ist deutlich das ursprüngliche Haupthaus, Eingang im Mittel. rechts und links davon 
die Fenster der ebenerdig eingebauten Zimmer, darüber die niedrigen, ursprünglich nicht vorhandenen des 
Zwischengeschosses und jene des Obergeschosses von dem angebauten kleineren Nebenhaus, dessen Fenster- 
bnnkhßhen außer im Parterre nicht mit den andern korrespondieren, zu unterscheiden. Die durch einfache Lisenen 
erreichte, völlig unregelmäßige Giebelgliederung dürfte die originale sein. Das geht aus dem verschobenen 
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