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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

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Daß der beschützende Berg ursprünglich ein Heiligtum und Kloster, 
dem Erzengel Michael geweiht, trug, wurde anfangs schon erwähnt. Als dieses 
Heiligtum, von Herzog Magnus in eine die Stadt bedräuende Position um- 
gewandelt, kriegsmäßig armiert worden war, fiel es dem gleichen Schicksal 
anheim wie das von den Bürgern genommene Schloß, nur wurde es nicht 
wie dieses sofort zerstört, sondern erst abgetragen, nachdem den Mönchen 
ein neuer Bauplatz in der Stadt angewiesen worden war, der gleiche, auf dem 
die heutige, als Totalerscheinung 
höchst imposante Michaels- 
kirche steht. Das Kloster wurde 
Ende des XVII. Jahrhunderts ab- 
gebrochen. Seltsamerweise be- 
stand es als protestantisches Män- 
nerkloster bis über den Dreißig- 
jährigen Krieg hinaus. Das Ende 
des XVIII. Jahrhunderts räumte 
mit allen noch übrig gebliebenen 
Resten früherer Zeit vollends auf, 
so daß dem durch seine etwas er- 
höhte Lage sehr wirksamen Bau, 
einer dreischifl-igen Hallenanlage 
mit polygonal geschlossenem, 
beidseitig von Kapellenbauten 
flankiertem Chor, Unterkirche 
und der Westseite vorgelagertem 
mächtigen Turm innen jede be- 
lebende Beigabe außer einer reich 
dekorierten Barockkanzel fehlt. 
Das XIX. Jahrhundert entstellte 
ihn durch Einbauten von Emporen 
weiter. Abbildung 49 gibt eines 
der wenigen wertvollen Über- 
bleibsel früherer Zeit. Es stammt 
noch aus einer Periode, da der Abt zu Sankt Michael „Dei gratia" war, die 
Spitze des gesamten Lüneburgischen Klerus bildete, der Prälatenstand dem 
Stande der Ritter und der Städte voraufging, Vorsitz und Leitung der Ver- 
sammlungen der Stände innehatte. Der Grabstein stellt den ersten lutherischen 
Abt des Stiftes, Herbert von I-Iolle, dar und wird Albrecht von Soest zuge- 
schrieben. Die Grabmalkunst spielt in Lüneburg wie in manchen andern 
Städten des deutschen Nordens eine äußerst bedeutsame Rolle. Epitaphien 
von großem Umfange und künstlerischer Bedeutung zu errichten, war offen- 
bar ein allgemeines Bedürfnis geworden, nachdem sich der kirchliche Sinn der 
wohlhabenden Bevölkerung nicht mehr an der Stiftung von Altären, köstlichen 
liturgischen Gewändern, farbigem Schmucke der Fenster und so weiter zu 
 
Abb. 72. Rathaus zu Lüneburg, Türe in der „Neuen Rats- 
stuhe" mit Schnitzereien von A. von Soest
	        

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