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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

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welche stilistische Beziehung zu dem 
Brixener Monument aufwiese, dagegen 
birgt der Kreuzgang des Prämonstra- 
tenser-Stiftes Wilten eine Reihe von 
Grabplatten, die bei genauerer Prüfung 
als die Vorläufer jenes Denkmals anzu- 
sehen sind. Bisher haben diese Reliefs 
nur nach der heraldisch-genealogischen 
Seite Bearbeitung gefunden." Nun er- 
weisen sie sich auch von nicht minde- 
rem Interesse für die Kunstgeschichte. 
Der älteste Stein, in dem ich Bocks- 
dorffers Stil wiedererkenne, ist der des 
Wolfgang von Windeck, gestorben 
1493 (Abb. 4). In dem unteren Teile der 
Platte lesen wir die siebenzeilige In- 
schrift; der obere Teil gibt in Relief die 
Wappen von Windeck und Kolnpach. 
Bestimmend für die Zuweisung an 
Meister Sebald ist bei diesem Grabstein 
wie auch bei den folgenden der eigen- 
artige Schnitt und die Modellierung der 
I-Ielmdecke. Bocksdorffer löst die ein- 
zelnen Enden in eine Art Dreiblätter 
auf, die er, dem Treibstil des Gold- 
schmieds oder auch des Lederplastikers 
nicht unähnlich. wie von rückwärts 
knopfartig modelliert, genau wie auf 
Abb. 8. Grabplatte des Heinrich von Memelberg dem Steine des Chttistoph" von Trucltl- 
im Kreuzgang von Süft wm... bei Innsbruck seß, und genau wie dort Sehen wlr 
auch hier die Rippen geführt. Zeitlich, 
nach Maßgabe des Stils wie nach dem Todesdatum des Verstorbenen folgt 
die Grabplatte des Gilg Valck, gestorben 1497, in Wilten (Abb. 5). In der 
linken Hälfte ihres Querformats ist der Verstorbene auf einem Klotz kniend 
dargestellt, von einem verschlungenen Schriftband umrahmt; die rechte 
Hälfte füllt das Wappen mit weitfiatternder Helmdecke. An dieser erkennt 
man noch deutlicher als am Wappenstein des Wolfgang von Windeck die 
charakteristischen gebuckelten Dreiblattenden, auch die Blattumschläge und 
Rippenansätze stimmen ganz mit jenem Stein wie mit dem Truchseß- 
Monument überein. Der Spangenhelm deckt sich in Form und Mache, wie 
namentlich an der scharfgratigen Riffelung und an der Helmkrone ersicht- 
lich ist, mit den beiden ebenerwähnten Steinen. Das Bild des knienden 
x E. G. von Penenegg. Zur Epiraphik von Tirol irn Jahrbuch des heraldisch-genealogischen Vereines 
"Adler". Wien I (x874). Seite 31 H. und TafellX mit XV.
	        

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