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Full text: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

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auf den Kopf der Bevölkerung ein halber Hektar Forst entfällt. Auch der 
ehemals von Reisenden wie Fuhrleuten gefürchtete Zustand der Verkehrs- 
wege, der ein förmliches Durcharbeiten durch Heidekraut und sandigen 
Boden verlangte, ist ein anderer geworden. Ein System von Straßen und gut 
gehaltenen Wegen durchzieht das Land. Wer den unsagbaren Reiz urwüch- 
siger Boden- und Vegetationserscheinung der Heide genießen will, muß 
heute schon weit hinaus wandern vor die Tore der Städte, nach denen ehe- 
mals Hunderte von Geleisen sich hinzogen von den Lastwagen, die ohne 
eigentlich gebaute Weganlagen das Heideland in mühsamer Fahrt kreuzten. 
AnjeneZeiten erinnern noch die „Heide- 
krüge", Wirtshäuser, Haltestellen, wo 
Fuhrmann, Zugtier und die bös hin- und 
hergeschüttelten Reisenden für kurze 
Zeit die ausgestandene und noch zu 
erwartende Mühsal vergessen konnten. 
Wo nun der Boden infolge seiner 
Durchsetzung mit mineralisch ganz 
verschiedenartigen Elementen kompo- 
sitionell ein so eigenartiges Gepräge 
trägt, wie es bei der Heide der Fall ist, 
liegt die Vermutung des Vorhanden- 
seins verwertbarer Stoffe nahe. Man- 
cherlei haben denn auch schon alte 
Zeiten, vieles erst die Neuzeit mit ihren 
vervollkomrnneten Hilfsmitteln zutage 
gefördert. Vieles bot die Natur auch 
freiwillig, vor allem Salz als Sole, Sülze. 
Kieselgur findet sich in beträchtlichen 
Mengen; Kali in mächtigen Lagern. 
Eisenstein ist während des Mittelalters 
- das beweisen die zahlreichen um- 
fänglichen Schlackenhaufen - bei offenem Feuer in der l-Ieide geschmolzen 
worden. Erdöl, lange Zeit auf primitive Weise zwecks Herstellung von 
Wagenschmiere gewonnen, wird jetzt in verschiedenen Großbetriebsanlagen 
aus Tiefen bis zu 500 Meter heraufgeholt. Beim Suchen nach Petroleum 
stieß man in Steinförde bei 85 Meter Tiefe auf mächtige Salzlager, die bis 
zur Stunde nicht abgebaut werden. 
Gerade dieses Mineral ist es, dem Lüneburg seinen Ursprung verdankt. 
Der als kräftige Bodenerhebung über das urweltliche Gletschergeschiebe 
emporragende Kalkberg wird seit langer Zeit als Gipsbruch abgebaut und 
mag in früheren Zeiten an Umfang, wohl auch an Höhe, wesentlich bedeu- 
tender gewesen sein. Er liegt im Westen der Stadt. (Siehe Plan, Abb. I0.) 
Unweit davon entspringen, genährt aus tiefliegenden Salzlagern, äußerst 
kräftige Solequellen. Zu welcher Zeit hier zuerst ein wenn auch primitiver 
 
Abb. 6. Lüneburg, Bäckerszraße
	        
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