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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN 50 VON 
KARL M. KUZMANY-WIEN Sie 
OLOMAN MOSER. Neue Aufschlüsse wie kaum eine der früheren hat die vor- 
läufig letzte der Ausstellungen gebracht, die zyklisch von den Mitgliedern der Klimt- 
Gruppe in der Galerie Miethke veranstaltet worden sind. Denn hier ließ Koloman Moser 
einen Einblick tun in sein Schaffen rein malerischer Produktion. Es gibt kaum ein Gebiet 
der angewandten Kunst, auf dem sich Moser nicht betätigt hätte, fruchtbringend und 
richtunggebend; darüber und über die Ausstrahlungen seines Wirkens als Lehrer braucht 
kein Wort verloren zu werden, ist doch das alles seit jahren etwas stets Gegenwärtiges. 
Nun sehen wir Moser nahe dem Urboden: in dem Studium der Natur, vor der Staffelei, die 
er immer öfter und lieber ins Freie stellt oder wenigstens nahe zum Fenster. Sonnenklare 
Farben sind das Leben dieser Porträte, Blumenstücke, Landschaften, Interieurstudien. 
Der Katalog verschweigt eine andere Bezeichnung der Bilder als die durch Angabe der 
Jahreszahl ihrer Entstehung. Moser legt keinen Wert auf die Befriedigung der gegen- 
ständlichen Neugierde und will nur auf die Entwicklung seines malerischen Darstellens hin- 
weisen. Ein Studienkopf aus dem Jahre 1889 bildet den Ausgangspunkt, nicht gerade unfrei, 
doch aufs genaueste dem Modell untertan. Und noch die Semmering-Landschaften (1907) 
zeigen diese suchende Treue, worauf eine immer stärkere Disziplinierung folgt. Die treibende 
Kraft ist das Streben nach einer dekorativen Füllung der Fläche. Was Moser vor vielen, 
die mit denselben Vorbildern vor Augen diesen Weg gehen, in jedem Fall auszeichnet, ist 
darin zu suchen, daß er niemals in der Zeichnung und in den optischen Abmessungen eine 
Nachlässigkeit oder eine trübe Roheit unterlaufen läßt. Davor bewahrt sich seine technische 
Könnerschaft, die er ebensowenig verleugnen kann wie seinen untriiglichen Geschmack. 
INE BRUEGEL-MONOGRAPHIE. (Peter Bruegels des Älteren Gemälde im 
Kunsthistorischen Hofrnuseum zuWien. Von Gustav Glück. Brüssel, G.Van OestdtCie.) 
Es hat sich in einem artigen Zufall gefügt, daß der Verfasser dieses Buches es an der 
Schwelle seines neuen Amtes darbringen konnte, eben da er zur Leitung der kaiserlichen 
Gemäldegalerie berufen wurde. So erscheint die in jeder Hinsicht gut begründete Ver- 
öifentlichung der fünfzehn Gemälde Bruegels als eine wissenschaftliche Ehrenbezeigung, 
die einer ganz einzigen Gruppe unter den jetzt durch Glück verwalteten Kunstschätzen gilt. 
Die großen, technisch vollendeten Reproduktionen bringen also, von einem beschreibenden 
Katalog begleitet, fünfzehn Bilder zur Anschauung, denn an Stelle der kleinen Tafel 
„Der Hirte", die stillschweigend dem Bauernbruegel hier abgesprochen ist, wurde das 
Fragment „Das Fest des heiligen Martin" aus dem Depot der Galerie in die Öffentlichkeit 
hervorgeholt. Seinen besonderen Wert hat der Band durch die ihn eröffnende Aus- 
einandersetzung „Bruegel und der Ursprung seiner Kunst". Ist es doch verwunderlich, 
daß Bruegel, obwohl er Enkelschiiler eines der Bahnbrecher der italienisierenden Richtung 
in den Niederlanden ist und Zeitgenosse des ihr vollends huldigenden Franz Floris, dem 
Realismus und der Bauernmalerei ergeben bleibt. Das kleiniigurige Sittenbild hat nach 
Glück in einem von ihm mit Jan van Amstel, genannt der Holländer, identifizierten Anony- 
mus den Urheber, dessen Bilder Bruegel sehr wohl gekannt haben dürfte. Auf alle 
Hypothesen und bewiesenen Zusammenhänge kann hier nicht eingegangen werden. Die 
wichtigste neue Feststellung ist, daß die Monatsbilder nicht allein von den Kalender- 
illustrationen sich herleiten lassen, vielmehr von der parallel mit den höfischen Gobelins 
fabriksmäßig betriebenen Wasserfarbenmalerei auf Leinwand, die keineswegs von der Öl- 
malerei verdrängt wurde. Davon muß Bruegel ausgegangen sein, vielleicht in der Werk- 
statt eines Schülers von Hieronymus Bosch, der alle die von Bruegel behandelten Motive 
schon kennt. Derart nun erklärt sich das Flächenhafte auf vielen Bildern Bruegels, was 
uns modern als Größe des Stils anmutet; vollends Beweiskraft für jene Herkunft solcher
	        

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