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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 10)

sischem, byzantinischem und später mohammedanischem 
EinHuß, die Stilisierung alle Gerätformen beherrschte, 
entwickelte sich im Osten ein Naturalismus, allerdings 
stets unter gleichzeitiger Beibehaltung der antiken Stili- 
sierung. So wurden auch die Gürtelhaken aus den Fesseln 
der alten Tradition gelöst, und wir linden Vogelköpfe, 
ganze Enten (Abb. 3) und besonders in origineller Art 
einen Vierfüßler (Abb. 4) als Gürtelhaken verarbeitet. In 
diesem Stile ist auch ein Drache geformt (Abb. 5), dessen 
_ _ _ Abb. 3. Runde Platte 
Schwanz sich zum Haken aufrollt. Die Auffassung dieses mit plastischer Ente. de- 
Gürtelhakens scheint mir dem Figdorschen "Salamander- Zztkizäigelä  
Zahnstocher verwandt. Ganz besonders schon gearbeitet chin,s,sch„ Bronzeguß 
ist ein Gürtelhaken mit einem in unterschnittener Voll- (Sammlung Kl""h-Tsi' 
nanf u) 
plastik aufgelegten Drachen (Abb. 6). Ähnliche Formen 
werden in den Kaiserkatalogen des Mittelalters schon der vorchristlichen 
Zeit zugeschrieben. 
Im XV. Jahrhundert fand ein starker Einfluß Asiens - und zwar Ost- 
und Westasiens gemeinsam - auf Europa, speziell auf Italien, statt. Zur Zeit 
der Chinoiserie im XVIII. Jahrhundert bestand ein direkter Verkehr mit China, 
dreihundert Jahre vorher war zwar Ostasien im Abendlande bekannt, aber es 
existierte kein regelmäßiger Handel von Land zu Land. Marco Polo ist nur 
einer von vielenKauileuten, die schon im XIII. Jahrhundert ganz Asien durch- 
kreuzten; sein Buch hat ihn überlebt. Missionäre kamen auch nach dem Osten 
und Wilhelm von Rubreck berichtet, daß er 125i am Hofe des Mongolen- 
herrschers in Karakorum, der Hauptstadt Kublai Khans in der Mongolei, den 
,Goldschmied Boucher aus Paris und eine Frau Paquette aus Metz antraf. 
 
 
Die Waren gingen von China auf den alten Karawanenstraßen durch Zentral- 
asien, oder auf dem Seewege über Indien nach Persien und dem Roten Meer, 
um von dort aus durch Zwischenhändler, gemeinsam mit westasiatischen 
Teppichen und andern Artikeln, in die 
Länder am Mittelländischen Meer, von 
der Türkei bis Spanien, zu gelangen. Im 
XV. Jahrhundert hatte China einen be- 
sonders starken I-Iandelsverkehr. Chinesische 
Dschunken gingen nach Ceylon und kamen 
sogar 1430 nach Dscheddah, dem Hafen 
von Mekka. Welchen Anteil Ostasien an dem 
damals in Italien eindringenden orientalischen 
Kunststrom hat, ist noch wenig untersucht. 
Die Schnörkelmalerei a la porcellana kam auf 
Am 4_ Chinesischer Gundhakemin und wird als chinesisch bezeichnet, aber ich 
Form eines Vierfüßlers, dessen Kopf halte sie für persisch, da China erst damals vom 
seitlich als Haken umgebogen ist, auf ' _ ' _ 
dermkheite Knopf, antik" Bromeguß Westen den Stil der blau weißen Porzellan 
(Sammlung Knuth-Tsinanfu) malerei übernahm. Europa kannte bisher nur 

	        

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