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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 10)

nieder drückende Stirn, die nun nicht mehr bloß in die Beziehung der Ernsthaftigkeit sich 
auflöst, sondern die nun auch überspielt in den Ausdruck von Indignation und Schmerz. 
Denn gewiß ist's, je Bestimmter das Besondere der Handlung des Subjekts ist, 
desto mehr spricht und muß sprechen das Besondere ihres Ausdrucks! desto verständ- 
licher, desto hervordringender ist dieser oder jener Zug! desto natürlicher schließt sich 
diese oder jene Beziehung an unsere Wünsche, an unsere Forderung an! desto leichter 
läßt sich das im Bilde linden, was wir in ihm zu sehen wünschen. Nun erklärt sich auch 
durch Stellung und Handlung die Drapperie, und besonders der Harnisch, der nur in 
diesem einzigen Falle vom Geschmack anerkannt wird, so wie in allen übrigen verworfen 
werden muß. Denn er - er der sonst der Figur so viel Steifigkeit, so viel Räthselhaües, 
so viel Unnatürliches giebt; er liegt nun im Bedürfniß des Stücks. und erklärt sich durch 
sich selbst. So bekleidet verließ der Held das blutige Schlachtfeld. Hut und Handschuhe 
liegen schon da, um sichs leichter zu machen. An den Harnisch wird nun auch die 
Reihe kommen. 
Welche edle Einfalt herrscht nun im Bilde! Gleich weit entfernt von Überladung und 
Leere! Sie Hoß natürlich aus der Art von Vorstellung, die der Künstler seinem Porträt gab. 
Denn den eben möglichen Fall angenommen, der Maler hätte seinen Helden in den Vor- 
grund gestellt, und in der Entfernung ein TreHen aufgestellt, (und Spielraum dazu hätte 
ihm seine Fläche gegeben) - hätte er nicht vorerst gegen die Regel der Wahrscheinlichkeit 
gesündigt? Denn, welche Frage wäre dann natürlicher als diese? Was thut der General so 
unthätig im Vordergrunde? Warum ist er nicht da, wo er seyn soll, wo er hin gehört? 
Warum ist er nicht im Treifen? Und wäre dann nicht die Ruhe, die edle Großheit verlohren 
gegangen, die jetzt über das Ganze hinlließt? Denn nur er, der Held ist's, an dem unge- 
theilt das Auge nun haftet und sich satt sieht; nur er, der Held ist's, der jetzt ungetheilt 
durch keine Beywerke geschwächt, durch keine Überladung zerstückelt, aus der Fläche 
heraus sich hebt und spricht - eine nun so verständliche Sprache spricht. 
Und wie wahr unterordnen sich ihm nun die Beywerke! wie steht nun alles in Be- 
ziehung aufs Ganze! wie löst sich nunjedes Beywerk in der Größe auf, die das Gepräge der 
porträtierten Person ist, der Größe, die auch sichtbar der Maler im ganzen Bilde bezielte! 
Schon die Ruhe über das Ganze ausgebreitet, ist groß. Aber auch wie gesagt, jedes 
einzelne Beywerk kettet sich wieder an den Begriff des Erhabenen, Großen. Und darüber 
kann keine Stimme getheilt seyn! Der Fels wird groß durch den Spielraum, den seine Maßen 
ausfüllen. Der Begriff des Erhabenen in ihm löst sich auf in das Große seiner Zeichnung. 
Die Kanone gehört, (außer dem Großen ihrer Zeichnung) in Absicht ihrer Wirkungen, in 
das Gebiet des furchtbar Großen. Worinnen, als gerade in dieser Empfindung zergliedern 
sich die Begriffe, die ihr Anblick erweckt? 
Die Eiche ist groß durch Umfang und Alter. Mit der Kanone laufen die Schanzen- 
Körbe parallel; und es scheint, die schwere Wolke, die sich über den Horizont zieht, sey 
zuletzt da, um diese einzelnen Größen in ein Ganzes zu vereinigen, diesen einzelnen 
Größen das letzte Siegel aufzudrücken. 
Auch die am Fels stehende Distel rechne ich mit zu dieser Klasse versinnlichter 
Begriffe. Vielleicht spielte der weise Maler in ihr leise auf das Rauhe, Mühselige des 
Helden Berufs hin! Denn warum sollte man in einem Gemälde, wo alles so weise gewählt 
ist, nicht auch im kleinsten Beywerk Absicht und Plan vermuthen? 
Vielleicht stehet nun auch der sanfte Lichtstral, der an der Eiche spielt, im 
Parallelißmus mit ihr? und hat mehr zu bedeuten, als es dem ersten Anblick nach scheinen 
möchte; und ist also mehr als bloß Resultat der spielenden Künstlerlaune, oder absichtslose 
treue Kopie nach der Natur? Er zielt vielleicht, als zarte Dichtung, hin auf die frohern 
heitern Stunden, die sich in die rauhen und trüben im Leben mischen? und wie schön 
gruppiert er da! 
Die Farbengebung des Ganzen ist außerordentlich lebhaü und saftig. Der Ton der 
Mengsischen Schule erkennt sich in ihr. Es scheint, besonders im glühenden Carnat des
	        

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