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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 11)

den, da wurde mir erklärt, daß die neue Errungenschaft dieser Künstler darin bestehe, das 
betrelTende Objekt nicht nur wie bisher üblich von einem, sondern von mehreren Gesichts- 
punkten aus auf ein und demselben Bild darzustellen!? Gleichzeitig ist hierbei die Anwendung 
von irgendwelchen Kurven oder Rundungen verbannt; alle Linien müssen eckig zulaufen. 
Das Bild erscheint wie aus geometrisch ahgezirkelten Stücken zusammengesetzt, daher 
der Name „cubisme", der sich mit „Würfelmanier" übersetzen ließe. Die bisherigen Re- 
sultate sind ziemlich farblose Vexierbilder und machen den Eindruck schlecht gefügter 
Mosaikarbeiten. Vielfache Scherze sind über diese „Neuerer" entstanden. Es ist wohl 
einzig diesem Umstand zu verdanken, daß die Kubisten zu einer Art Berühmtheit wurden 
und viele Besucher in die Ausstellung locken. Die Urheber dieser Bilder sind vielleicht 
diejenigen, die am meisten darüber lachen, jedenfalls ist es ihnen geglückt, ihre Namen 
bemerkbar zu machen. Wahrscheinlich hat hiermit der Kubismus seinen Zweck und auch 
sein Ende erreicht. 
Rings um den Saal der Kubisten wimmelte es von den sogenannten „fauves" (wilden 
Tieren), allen denjenigen, die mit den gröbsten Effektmitteln arbeiten und die grellsten 
Farbenorgien feiern. Die „Vereinfachung der Zeichnung" ist das Schlagwort und soll die 
Erklärung sein für all diese summarisch skizzierten Entwürfe. Matisse ist von seinen Jüngern 
schon so überwuchert, daß diesmal seine eigenen beiden Bilder bescheiden verschwinden. 
Hingegen ist Madame Marval mit ihren acht kleinen Mädchen im Grase vielfach bemerkt 
und bewundert worden. Es liegt etwas so Komisches, Verschmitztes in diesen aufmerksam 
lauschenden Backfischgesichtchen, daß das Bild erheiternd wirkt. Die Ausführung ist Hott 
und talentvoll. ' 
Die Wanddekorairion für ein Speisezimmer (drei in Öl gemalte breite Panneaux) von 
Flandrin wird vielfach als Kunstwerk aufgefaßt. Es ist eine sehr geschickte Kombination 
von stilisierten Baummassen und Ausblicken auf ganz natürlich wirkende Landschaften 
die durch moderne Sportfiguren belebt sind. 
Porträte gibt es diesmal auffallend wenig. Lavery ist mit zwei in der bekannten 
eleganten Manier durchgeführten Damenporträten vertreten. Felix Borchardt zeigt uns ein 
Freilichtporträt, einen Jäger am Anstand, in einer hübschen Waldstimmung. Ein Bildnis 
des bekannten Musikers Reynaldo Hahn von Gropeano ist nicht uninteressant durch einen 
eigentümlichen DärnmerlichteHekt, welcher über die sonst leicht zu hart wirkenden Linien 
bei männlicher Kleidung hinweghilft. 
Weitere Wanderungen führen an sehr vielen mittelmäßigen Leistungen vorbei; mit- 
unter gibt es recht hübsche Landschaften. Der berühmte Zeichner Steinlen hat uns unan- 
genehm überrascht, und zwar mit einem großen unschönen Ölgernälde: „Zwei Negerinnen 
mit einer Katze". 
Von österreichischen Künstlern will ich hier einige erwähnen: Kupka ist unter die 
grellsten Impressionisten gegangen, Renee von Vranyczany stellt eine hübsche Statuette 
aus, Marianne Schönwald und Walter Bondy befassen sich vornehmlich mit Landschafts- 
bildem. Die Wiener Firma Klaus und Galle hat eine anziehende Vitrine mit modernen Vasen 
und Porzellanfiguren. 
Um nun von der Bildhauerkunst zu sprechen, sind hier vier Genien für den Sockel 
eines Riesenmonumentes für Beethoven nicht zu übersehen. Diese vier großen Engel, mit 
äußerst gequälten Gesichtern und massiv stilisierten Flügeln, werden vielleicht später, wenn 
einmal der richtige Platz für sie gefunden ist, viel günstiger wirken. Auf den Beethoven 
selbst von ]ose de Charmoy ist man gespannt. Paul Troubetzkoy wirkt immer angenehm. 
In seinen Statuetten liegt ein eigener Reiz von Lebendigkeit und so viel künstlerischer 
Schick, daß er selbst aus einem uninteressanten Modell noch eine vornehme Figur machen 
würde. Bugatu", der bekannte Tierbildhauer, stellt eine sehr gelungene Löwengruppe und 
zwei Anülopen aus. 
„Le Manyr" und „Le Remords" von Joseph Bemard sind zwei Riesenstatuen, für ein 
großes Monument bestimmt. Die Behandlung der Sujets ist ziemlich konventionell. Lehm- 
18'
	        

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