MAK

Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 11)

brück stellt unter anderem eine Art Giraffendame aus, deren unglaublich in die Länge ver- 
zerrte Proportionen geradezu unheimlich wirken. 
Bedeutend angenehmere Eindrücke lindet man diesmal in der Abteilung der dekora- 
tiven Künste. Zuerst die Ausstellung des „Theätre des Arts". Auf dieser kleinen Bühne 
wurden sehr gelungene Versuche gemacht, moderne Theaterstücke auf neuartig künst- 
lerische Weise zu inszenieren. Drei Künstler haben sich hierbei besonders verdient gemacht: 
Dethomas, Jacques Dresa und Rene Piot. Die Miniaturdarstellungen der Szenen aus den 
verschiedenen Stücken mit angemessener Beleuchtung sind sehr hübsch. Nebstbei sind hier 
auch Botte Skizzen aller Figuren aus den Stücken, wie „La nuit persane", „Le Sicilien", 
„Niou", „Nabuchodonosow etc. Die Kostüme selbst, auf Puppen oder an die Wand 
gehängt, hätte man sich schenken können, denn bei hellem Tageslicht verlieren sie all den 
Zauber, den ihnen der Schimmer der Rampe verleiht. 
Unter den ausgestellten Wohnungseinrichtungen befinden sich einige sehr glückliche 
Resultate. Von Sue und I-Iuillard ist ein sehr hübsches Bibliothekzimmer in lichtem Holz 
mit diskreter Verzierung in Schwarz zu verzeichnen. Die Möbel sind zweckmäßig und 
elegant geformt. Allerlei originelle Kleinigkeiten in Polstern, Friesen, Vorhängen tragen 
hier zum Erfolg bei. Die jetzt so modernen bunten Stickereien aus grober Wolle treten 
etwas gar zu häufig auf, ganze Landschaften werden auf diese Weise in Flachstickerei 
hergestellt und als Wanddekoration verwendet. 
Die Einrichtungen von Majorelle sind nicht gerade unangenehm, aber sie haben gar 
keinen künstlerischen Charakter. Ein Toilettezimmer von I... Bigaux macht den Eindruck 
jener Räume, in denen man lange leben könnte, ohne ihrer überdrüssig zu werden. Die 
Zusammenstellung von lichtgrauen Möbeln mit lila Streifen und lila Wandbekleidung 
nimmt sich ganz gut aus. 
Ein Kinderzimmer aus lichtem Holz mit inkrustierten stilisierten Tieren, genannt die 
„Arche Noa ", ist sehr niedlich (entworfen von Andre Helle). 
Die Räume von Dufresne sind ziemlich prunkvoll: Vorhänge mit schweren kompli- 
zierten Stickereien, Wandbekleidungen aus Goldbrokat, kostbare eingelegte Möbel. Der 
allgemeine Eindruck ist trotzdem nicht aufdringlich, weist aber keine besonderen künst- 
lerischen Eigenschaften auf. Ein rundes Damenschlafzimmer in Weiß mit sehr zarten Ver- 
zierungen in Blau und Lila ist zwar hübsch, aber man würde diese tragantartige Umgebung 
wohl sehr bald satt bekommen. 
Am meisten besprochen wird der Musiksalon von Paul Follot. Es liegt darin eine 
sympathische Stimmung, die wohl in erster Linie auf die sehr diskrete Verschmelzung 
lichter Farben und auf eine geschickt gedämpfte Beleuchtung zurückzuführen ist. Die Möbel 
sind verschiedenartig, passen aber doch sehr gut zusammen. Die Wände sind teilweise mit 
sehr reicher moderner Stickerei geziert. Die Decke, weiß, mit goldenen Sternchen über- 
sät, wirkt etwas zu theatralisch. Ein Speisezimmer in Weiß mit grünen Streifen und bunten 
Brokatpanneaux macht einen freundlichen Eindruck. 
Von den drei kleinen, allzu niedlichen Zimmerchen von Andre Groult spreche ich 
zuletzt, weil ich hiervon den allerbesten Eindruck davontrug. Es ist hier die glücklichste 
Modernisierung gewisser Formen des XVIII. Jahrhunderts mit den Einfachheitsprinzipien 
und den etwas grelleren Farbenzusammenstellungen des heutigen Geschmackes erreicht 
worden. Andre Groult hat auch eine ganze Serie von seinen äußerst originellen bedruckten 
Leinwandstoffen ausgestellt. In den drei kleinen Zimmern sehen wir einige dieser Muster 
in ihrer besten Verwertung. 
Madame Ory Robin ist eine Berümtheit, die man nicht übergehen kann. Sie hat auf 
dem Gebiet der Nadelmalerei etwas wirklich Eigenartiges geleistet, und mancher Maler 
würde sie um die Preise beneiden, welche sie mit ihren Stickereien erzielt. Um hier nur ein 
Beispiel zu nennen: ein paar Vorhänge (Besitz der Marquise de Ganay) 4000 Franken, ein 
Paravent 2000 Franken und so weiter. Diese Arbeiten machen den Eindruck äußerst kost- 
barer, alter, verblaßterGobelins. In der Nähe betrachtet, sind es auf Rohleinen aufgenähte
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.