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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 11)

So oft man den Fremdenverkehr und damit die wirtschaftliche Lage einer Gegend 
durch Propaganda zu fördern sucht, so oft sollte auch zugleich der Warnruf erschallen, der 
den l-Ieimatschutz fordert. Das große Problem der Erhaltung wertvoller Landschafts- und 
Städtebilder, welche der Förderung und Hebung des materiellen und kulturellen Fortschrittes 
nicht entgegentritt, das ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben unserer Tage, 
an welcher künstlerische und wirtschaftliche Faktoren gemeinsam arbeiten müssen. 
Wien steht gegenwärtig vor der Gefahr, seinen ursprünglichen Charakter gänzlich 
einzubüßen, einen großen Teil seiner Eigenart und seiner künstlerischen Schätze als Stadt- 
bild ganz zu verlieren. In solchen Augenblicken ist es wertvoll, wenn man die Bedeutung 
des Vorhandenen den beiden Faktoren in Erinnerung ruft. 
Der Band über „Wiener l-Iäuser", welcher als letzter in der eben besprochenen Serie 
des Verlages Brüder Rosenbaum erschien, gibt ein Bild der charakteristischen Wiener 
Bauweise und der Entwicklung des Wiener Hausbaues bis zu dem Fall des Festungsgürtels. 
Architekt H. Fischel hat in einer entwicklungsgeschichtlichen Skizze die verschiedenen 
Perioden besprochen, welche auf das Stadtbild Einfluß genommen haben, und die wesent- 
lichen Züge jedes einzelnen Zeitabschnittes beleuchtet, wie sie sich im Hausbau wider- 
spiegeln. Die begleitenden Abbildungen, die teils von B. ReiiTenstein. teils vom Autor selbst 
stammen. bringen zur Illustrierung des Textes geeignete Aufnahmen. Charakteristische 
Platz- und Straßenbilder, I-löfe- und Hausansichten, auch Details von alten Gebäuden. Die 
Aufnahmen geben nicht nur die bekannten und oft besprochenen kunstgeschichtlich 
bedeutungsvollen Werke, sondern vielfach auch solche, deren anspruchslosere, aber künst- 
lerisch darum nicht minder wertvolle Eigenart für die Wiener Bauweise charakteristisch 
ist und die bisher wenig beachtet wurden. Außerdem sind auch Reproduktionen ganz alter 
Aufnahmen vorhanden, deren Objekte schon demoliert sind, oder frühere, ursprünglichere 
Bauzustände. Wenn so der alte Bestand, der Schonung verdient, der durch Kunst und 
Kulturwerte besondere Rücksichten beanspruchen darf, von einem bestimmten Gesichts- 
punkte aus beleuchtet ist, so soll in einem weiteren Bande dasjenige gezeigt werden, was 
die neue Zeit den Leistungen der Vergangenheit vollwertig gegenüberstellen konnte. 
Denn ebenso wichtig wie der Rückblick in eine wertvolle Vergangenheit ist der 
Ausblick in eine verheißungsvolle Zukunft, ist die Betonung einer schatiensfreudigen Gegen- 
wart. Wenn in ihr die Künstler mehr zum Worte gelangen würden, könnte auch die 
Gewähr eine viel größere sein, daß Altes und Neues nebeneinander bestehen können, 
ohne sich gegenseitig zu vernichten. 
TI-IE DOMESTIC ARCHITECTURE OF ENGLAND DURING THE 
TÜDQR PERIOD. Es ist für England charakteristisch, daß neben einer sicheren 
und fortgeschrittenen modernen Hausbaukunst eine warme Liebe für die edlen Werke der 
Vergangenheit einhergeht. Vielleicht hat gerade diese Wertschätzung alter und tief ein- 
gewurzelter Bautraditionen die Engländer davor bewahrt, durch die Werke der neuesten 
Zeit mit dem alten Bestande in schroffen Gegensatz zu geraten. Sie empfinden modern 
und sind doch nicht Feinde der Tradition. Kaum irgendwo sind die Schätze heimischer 
Baukunst so gründlich studiert und zum Gegenstand so umfangreicher Veröffentlichungen 
gemacht worden wie in Großbritannien und zugleich so wertvoll für die Gegenwart 
geblieben. Das monumental zu nennende Werk über die Profanarchitektur Englands 
während der Tudor-Periode, welches Thomas Garner begann und Arthur Stratton fortsetzte, 
ist soeben vollständig geworden. Der neueste abschließende Band behandelt viele jener so 
liebenswürdigen Herrensitze, deren Baucharakter volkstümlich geblieben ist und von 
modernen Architekten so gut verstanden und so geschickt für unsere Zeitbedürfnisse 
dienstbar gemacht wurde. 
Der Verlag B. T. Batsford hat den x38 Lichtdrucktafeln ebenso wie den zeichnerischen 
Detailaufnahmen die größte Sorgfalt angedeihen lassen, so daß auch außerhalb Englands 
dieses Werk mit Nutzen und Genuß zu studieren ist. Hartwig Fischel
	        

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