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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 2)

Ein recht anmutiges Pastellporträt war von Elsie Southwick ausgestellt 
worden, die bis jetzt nur als Miniaturmalerin bekannt war. Übrigens hat es 
an guten Miniaturen, die zu den Spezialitäten der Amerikaner gehören, in 
dieser Ausstellung nicht gefehlt. Namentlich hat Helen Winslow Duckee mit 
„Beigneuse" ein Meisterstück der Kleinkunst geliefert. Gute Porträte waren 
auch von Meta Stennge und Viola Steele geschickt worden. 
Die nächste Jahresausstellung, die die Räume der Fine Arts Society 
belegt hatte, war die Winterausstellung der Academy of Design. Diesmal 
machte sich der Raumrnangel geradezu drastisch bemerkbar. Es mußten 
etwa 1600 Bilder, unter denen sich viele gute Werke befanden, abgewiesen 
werden. Von den drei Sälen, die den Malern gewöhnlich zur Verfügung 
stehen, ist einer noch den Bildhauem gegeben worden. Sie zeigten vor 
allem Eigenart in kleinen Bronzen. Diese Arbeiten hingen eben von keinem 
Besteller ab und verursachten den Künstlern für die Herstellung auch keine 
großen Ausgaben, die es so manchem Bildhauer unmöglich machen, mit 
seiner Kunst durchzudringen. So konnten nun selbst bekannte Bildhauer, 
über deren Arbeiten man schon beinahe zu einem abschließenden Urteil 
gekommen war, mit neuartigen Werken überraschen. 
Es sei vor allem Isidor Konti genannt. Schon längst als würdiger Epigone 
der Renaissance, als Schönheitssucher ein beliebter Bildhauer, ist uns 
dieser Ungar nun auf einmal als ein Moderner entgegengetreten. Er hat 
Gruppen und Gestalten geschaffen, die uns nicht mehr allein durch Formen- 
schönheit, sondern namentlich durch seelische Bewegung fesseln. Besonders 
intim wirkte die kleine Gruppe von der alten Hexe, die mit ihren Erzählungen 
Kinder in ihrem Bann hält. Auch die übrigen neuen Werke, die Konti aus- 
gestellt hatte, waren nicht unbedeutend. 
Hervorragende Arbeiten brachte auch wieder Abastenia St. Leger-Eberle, 
eine Meisterin der realistischen Kleinkunst, vor allem in der Gestaltung 
spielender Proletarierkinder. Ihr ward der Helen Foster Barnett-Preis für die 
Gruppe „Auf der windigen Vortreppe" zuteil. 
Recht graziöse Porträtskizzen waren von Bessie Potter Vonoh aus- 
gestellt worden. Außer den vielen kleinen Gruppen und Figuren gab es auch 
verschiedene Arbeiten in größerem Maßstabe, unter denen ich besonders die 
Werke des jungen Chester Beach nennen möchte. Gedankenreich und groß- 
zügig ausgeführt war seine Cruppe „Ideale". Sehr viel Ausdruck und 
Bewegung in den Gliedern hatte auch C. A. Hebers Gruppe „In Banden". 
Die Moderne hat namentlich James Earles Werke „Melisande" und 
„Kummer" beeinflußt. Ein realistisches Werk von echtem Empfinden war 
Mahouri Youngs „Müder Arbeiter". 
Es sei hier noch bemerkt, daß die Academy mit der Ausstellung kleiner 
Bronzen einer Anregung folgte, die vorletztes Jahr durch den Newyorker 
Kunsthändler Macbeth gegeben wurde. Im vergangenen Winter hatte 
Macbeth wieder eine sehr gute Ausstellung kleiner Bronzen veranstaltet, in 
der auch der größte Teil der Künstler vertreten war, die in der Academy
	        

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