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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 2)

fassung zu fördern, verändert er selbst die Proportionen der Gestalten und 
zieht die Gestalten auf seinen Porträten amerikanischer Frauen gewaltig in 
die Länge. In den meisten der Skulpturen lag aber viel Kraft, Leben und 
Sicherheit der Ausführung. Namentlich schienen die Porträte das Typische 
des Menschen festzuhalten. Es waren Büsten und ganze Figuren von Tolstoi, 
Segantini, Bernard Shaw, Sorolla, Rodin, Graf Witte und einer Anzahl Ameri- 
kaner und Amerikanerinnen ausgestellt, namentlich Mitglieder der William 
K. Vanderbilt-Familie. Auch waren "Porträte von des Künstlers Gattin und 
Kindern vorhanden. Besonders interessiert haben auch die Tierfiguren. 
Eine interessante Skulpturenausstellung gab es ferner in Glanzers 
Galerie. Dort wurden Werke des Newyorker Impressionisten J. Davidson 
gezeigt. Er hat hauptsächlich in Paris studiert. Seine Kunst ist gedanken- 
reicher als die des russischen Fürsten, 
auch ist mehr Idealismus in Davidsons 
Werken. Dagegen ist die Kunst des Russen 
reifer. Viele Skulpturen Davidsons, der 
noch ein junger Mann ist, sind unfertig, 
aber in ihrer auf den Ausdruck des Ge- 
dankens konzentrierten Form von starker 
Wirkung. Jedenfalls ist er ein Talent, dem 
wohl noch eine reiche Entwicklung be- 
schieden sein wird. 
Manches Bemerkenswerte haben 
auch die kunstgewerblichen Ausstellungen 
gebracht. Zuerst soll die Ceramic Society 
genanntwerden, die nur jedes zweite Jahr 
Relißfvlallßn in mmslßißrlßm Tvn- von Asms eine Ausstellung veranstaltet. Die letzte 
und Fnd H" Rhead Saison brachte nun eine Ausstellung, durch 
die die Aufmerksamkeit auf Künstler gelenkt wurde, die zum Teil in New- 
york noch unbekannt waren. Besonders aufgefallen sind die Arbeiten von 
Frederick H. Rhead und der Frau Agnes Rhead sowie die von Fräulein 
Karoline Risque aus St. Louis. Herr Rhead ist Professor der Keramik an der 
Academy of Art in St. Louis, die einen Teil der People's University bildet. 
Fräulein Risque war die Schülerin von Rhead und des Bildhauers Professor 
Julian Zolney. Diese St. Louis-Kunstakademie wird vollständig von der 
American Woman's League erhalten. Der Unterricht ist für Talentierte 
kostenlos. Man hat auch Zeichenunterricht durch Korrespondenz eingeführt; 
den Schülern werden Gipsmodelle gesandt. Dieses System, das über das 
ganze Land verbreitet werden kann, soll vor allem dazu dienen, Talente zu 
entdecken. Die „Home-Students", wie man diese Schüler nennt, werden 
dann nach St. Louis eingeladen, wo sie einer Aufnahmsprüfung unterzogen 
werden. Wenn sie die bestehen, bekommen sie während der Studienzeit 
außer dem freien Unterricht noch monatlich 60 Dollar für den Lebens- 
unterhalt. 

	        

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