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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 2)

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die Herkunft aus derselben Werkstatt schließen. Technische Unterschiede 
erklären sich aus der verschieden geplanten Aufstellungsart. Der Nieder- 
schönenfelder Stein war als Vortritt eines Altars gedacht und hat jahrhun- 
dertelang als solcher gedient. Er mußte daher in ganz Hachem Relief gear- 
beitet werden und ist einer gleich- 
mäßigen Abnutzung unterworfen 
gewesen. Der Friesacher Stein 
dagegen sollte in einer Wand der 
Kirche eingelassen werden. Der 
Vertiefung seines Reliefs waren 
daher keine andern Grenzen ge- 
setzt, als sie die durch die aufge- 
wandten Geldmittel bestimmte 
Arbeitszeit zog. Kleine stilistische 
Unterschiede ergeben sich aus der 
zwischen beiden Steinen liegen- 
denZeit.DerNiederschönenfelder 
wird in die Mitte der fünfziger 
Jahre zu setzen sein, der Frie- 
sacher, wenn er überhaupt schon 
zu Lebzeiten Erhard Überackers 
begonnen wurde, kaum vor Mitte 
der sechziger. So zeigen die 
Decken des ersteren, namentlich 
unter den Schilden, noch einen 
mehr bandartigen Charakter, das 
Zaddelwerk des Friesacher da- 
gegen eine Bereicherung durch 
aufzüngelnde, lanzettförmig zuge- 
schnittene Endigungen. Beiden 
gemeinsam ist eine auffällige Par- 
alleladerung der einzelnen Strei- 
fen. Die weite Entfernung beider 
Steine in entgegengesetzter Rich- 
tung vom Fundort des gemein- 
samen Materials läßt darauf 
schließen, daß wir es mit Werken 
eines von letzterem aus exportie- 
renden Meisters zu tun haben, der sich eines beträchtlichen Rufes erfreut 
haben muß. In der Tat findet sich auch in Salzburg selbst ein Grabstein, 
dessen Zusammengehörigkeit mit dem besprochenen sich trotz der schlechten 
Erhaltung nicht verkennen läßt. Es ist der eines andern Überacker, des 1456 
gestorbenen Virgilius, und liegt im Boden der zierlichen Margaretenkapelle 
im Salzburger Petersfriedhof. In einem schlichten eingetieften Viereck zeigt 
Abb. 3. Grabplatte des Engelhard Marschall: von Dornsperg 
in Niederschönenfeld 
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