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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 2)

er (Abb. 4) das quadrierte Überackersche Wappen unter einem in der Heraldik 
sehr selten vorkommenden Helm, dem burgundischen, mit aufklappbarem 
Visier versehenen. Zwei Schilde begleiten die Helmzier, vier andere sind 
unter dem Wappen in einer Reihe angeordnet. Die Entfaltung der Helm- 
decken wird dadurch etwas eingeschränkt, die für die Werkstatt unseres 
Meisters charakteristischen Eigentümlich- 
keiten, die scharfe Umknickung, die par- 
allele Aderung, die Art der Zaddelung 
zeigen sich unverändert. Das Denkmal ist 
wegen der auf ihm angebrachten Ort- 
schilde von grundlegender Bedeutung für 
die ältere Genealogie des Überackerschen 
Geschlechtes. So mag hier, zumal uns der 
Name Überacker in folgendem noch öfter 
begegnen wird, kurz darauf eingegangen 
werden. Die Bedeutung der unteren Schild- 
reihe ist durch eine ausführliche Erklärung 
gesichert. Sie lautet: 
Seins vatt' vatt' sein Anher ist gebest hans 
Uberakcher Ritt' 
Seins vatt' muett" sein Anfrau ist gebest 
ein Ekkerin 
Seins muett' vatt' sein En ist gebest ein 
Stockharner Ritt' 
Seins muett' muett' sein Andl ist gebest 
ä Spanin. 
Das ist auf einem süddeutschen Grab- 
stein die erste reguläre Ahnenprobe, das 
heißt eine Aufzählung der Geschlechter, 
aus denen der Verstorbene stammt, unter 
Zugrundelegung des Gedankens, daß zur 
Existenz eines jeden Menschen zwei 
Eltern, doppelt so viel Großeltern und so 
fort beigetragen haben. Ältere Grabsteine 
und auch noch viele spätere sind in der 
Auswahl der Wappenschilde, die seit Mitte 
des XIV. Jahrhunderts als ein vorzügliches Mittel erkannt worden waren, 
solche Stellen der Bildfläche eines Grabsteines, welche die noch primitive 
Ornamentik des Hauptwappens nicht auszufüllen vermochte, zu beleben, 
weniger wählerisch. Nur ein Prinzip wurde, soweit sich sehen läßt, streng 
befolgt, nämlich das, die Schilde der beiden dem Verstorbenen nächstver- 
wandten Frauen nicht fehlen zu lassen. Als solche gelten, war der Verstor- 
bene vermählt, Gattin und Mutter. Dieser alten, in der Folgezeit aufgegebe- 
nen Gewohnheit macht auch dieses Denkmal noch eine Konzession, indem 
Abb. 4. Grabplatte für Virgilius Überacker in 
Salzburg
	        

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