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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 3)

in gleicher Liebenswürdigkeit und Abgeschlossenheit die Resultate ihrer ernsigen Arbeit 
zur Schau stellen und die Wertschätzung eines treuen Freundeskreises genießen. 
ENGLISCHE AQUARELLISTEN IN DER GALERIE ARNOT. Eine 
Sammlung guter englischer Aquarelle ist zumeist ein sehr erfreulicher Anblick. Vor- 
treilliche Beherrschung des Materials verbindet sich in der Regel mit einem gewählten 
Geschmack, wenn auch selten mit einem starken Temperament oder einem sehr fort- 
geschrittenen Wollen. Auch die bei Arnot vereinigte Kollektion hatte diese Qualitäten 
aufzuweisen. 
Die nasse Malweise der Engländer verhilft ihnen zu außerordentlich weichen und 
duftigen Wirkungen, die ihre feuchte Atmosphäre charakteristisch widerspiegeln. 
W. L. Bruckman hat in Holland, Lee Hankey, Austen Brown, Tatton Winter, 
W. Burroughs-Fowler und andere haben in ihrer Heimat reizvolle, stimmungsreiche 
Studien gemacht, die eine, wenn auch konservative, doch fein entwickelte künstlerische 
Kultur verraten. 
Von Arthur Rackham lernte man die Originale zu mehreren Illustrationen kennen, 
welche aus Märchenbüchem und Erzählungen stammen, die bekannt und geschätzt sind. 
Er hat eine persönliche Note zeichnerischer Art und kennt nur eine sehr matte einfache 
Tonung, vorwiegend graugrün; seine lebendige, humorvolle Phantasie wirkt auch dann 
packend, wenn man den Zusammenhang der Darstellung mit dern Texte vermissen muß. 
In den i-iguralen Darstellungen sind die Engländer den Holländern verwandt und 
ebenbürtig. Wenn auch hier viel Konventionelles dominiert, muß man doch sagen, man 
kann immer von ihnen lernen, weil immer ein tüchtiges Können bei ihnen zu finden ist. 
ÜRTRÄTPHQTOGRAPHIE. Zwei Damen, die in dem photographischen Porträt 
eine künstlerische Aufgabe erblicken, deren Lösung sie sich zum Beruf erwählt 
haben, sind kürzlich mit Kollektivausstellungen hervorgetreten. Eine Wienerin hat im 
Kunstsalon Heller unter dem Namen „d'Ora", eine Amerikanerin, Miss Harnilton, bei Pisko 
ausgestellt. Die Wienerin ist durch einen mehr ausgeglichenen, die Amerikanerin durch 
einen mehr exzentrischen Geschmack charakterisiert. 
Seitdem die Photographie von der Malerei arbeiten gelernt hat, ist vieles an ihr 
besser geworden: die Beherrschung von Lichtproblemen, die Tonwirkung, der Raum- 
ausschnitt, die Kunst, das Charakteristische, das Wesentliche zu betonen und das Unwesent- 
liche zu unterdrücken. All das Rüstzeug des guten Porträtrnalers muß der Photograph 
heute auch besitzen; er braucht das Handwerkliche des Zeichnens und Malens wohl nicht 
auszuüben, dafür muß er die große Kunst des Weglassens beherrschen, weil ja das Licht 
erbarmungslos alles, das Wesentliche wie das Überflüssige, festhält und oft gerade das 
Nachteilige übertreibt. 
Die genannten Damen besitzen Geschmack und Studium genug, um hier in vielen 
Fällen feine und glückliche Resultate zu erzielen. Leider verlangt aber das praktische 
Leben, der Kontakt mit dem Publikum auch anderes. Das ernste Wollen, die künstlerische 
Absicht des Photographen wird nicht sehr oft von seinen Auftraggebern verstanden; das 
zwingt zu Kompromissen. Anlehnungen an bekannte, gefällige Werke alter Porträtkunst, 
Nachahmungen von Wirkungen, die gar nicht Aufgabe der Photographie sein können, 
sind davon die Folge. 
Man sieht immer wieder in solchen Kollektivausstellungen, daß leider das bestellende 
Publikum zu viel Rücksichtnahme auf seinen eigenen und bei uns zumeist auf einen wenig 
entwickelten malerischen Sinn fordert, während das Bestreben vorwiegen sollte, der Per- 
sönlichkeit des künstlerisch gebildeten Photographen ausreichend Spielraum zu lassen. 
Aus diesem Grunde ist die künstlerische Qualität der Leistungen eine schwankende. 
Immer bleibt es erfreulich zu sehen, daß eine so beträchtliche Anzahl tüchtiger 
Arbeiten geleistet wurde, wie sie in den Ausstellungen bei Pisko und Heller zu sehen 
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