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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 3)

Ein Biedermeiertisch mit echten alten Stücken aus Mendelssohnschem Familienbesitz, 
Tellern mit blauem Rand, Gläsern mit eingravierten Sternen auf gehäkelter weißer Decke. 
Ein Exnpire-Tafelaufsatz aus Rheinsberger Vergangenheiten im napoleonisch-ägyptischen 
Geschmack, eine Ovalspiegelplatte, auf deren Rand sich Leuchter in Umenform erheben, 
als Mittelstück ein Opferaltar mit einer Schale. 
Hierher gehören auch die Darbietungen der Berliner und der Kopenhagener Manu- 
faktur. Die Königlich Preußische Porzellanmanufaktur hat zur Feier der Friederizianischen 
Tage ihr altes Prunkstück - wenigstens zum Teil - wieder aufgebaut, die Huldigung der 
unterworfenen Völkerstämme um den Thron der majestätisch im Reifrock prangenden 
russischen Kaiserin Katharina, und dann das Kurlandservice mit dem durchbrochenem 
Gitterrand der Teller. Und die gekrönte Dänische bringt ihr Flora danica-Geschirr, das auf 
den Tellern in Unterglasurmalerei die heimischen Piianzen und Kräuter weist, eigentlich 
mehr ein belehrsames Schaugerät, als eß-ästhetisch mit dieser vegetarisch-obligatorischen 
Beilage und durchaus im Geschmacknachteil gegen jedes schlichte weiße Service von der 
Bescheidenheit der Natur. Durch hohe Kultur und bestrickenden Reiz aber fesseln andere 
Schmuckstücke dieser Tafel: die Figurinen von zierlicher Modellierung und zarthauchiger 
Tönung, landschaftliche Typen in malerischer Tracht; anakreontische Gruppen des Flötisten 
in Menuettgrazie; der Dame mit dem Hündchen und den Philinenschuhen; anmutige Vasen, 
mit Knospen bestreut und kleinen Blumen, kleinen Blättern; Miniaturobelisken, um die 
Amoretten Kränze winden; Körbe aus Flechtwerk, durch deren Porzellanmaschen die 
Koloristik der Früchte leuchtet, und als Besonderheit die Krümelbesen, kleine Rund- 
puscheln in Porzellangriß von Fackelform. . 
Es schließt sich noch Nymphenburg an in zwei Kompositionen erlesener Schönheit. 
Die eine von Ernst Friedmann mit dem weißen Pfau als Mittelstück, der auf lila Seiden- 
grund im Kranz von Goldlack seine langstarrende Schleppe trägt, die andere vom Grafen 
Montgelas mit Weidwerkgruppen von jägern, Hund und Wild in einem schwellenden 
Rosentuff eingebettet. 
Schließlich findet sich eine Gruppe von Inszenierungen, die sich als genrehafte 
Gelegenheitsdichtungen geben: ein Frühstückstisch zu Großvaters siebzigstem Geburtstag, 
reichlich in Schlafrock- und Pantolfelgemütlichkeit plätschernd; ein famoser Jagdlunch auf 
weiß gescheuerter und mit grünen Tannenreisern bestreuter Eichenplatte, aus kräftigbunter 
dänischer Fayence und grauem Zinn zusammengestellt; ein Kindergesellschaftstisch in 
der Märchenweise von Schneewittchen und den sieben Zwergen; eine Standesamtstafel in 
Myrthen; das petit dejeuner der Mondäne im Toilettengemach voll kokett-amourösen 
Durcheinanders; das Tennisfrühstück, ganz als Bühnenbild komponiert: auf grünem Rasen 
mit Heckenlaube der niedrige Rundtisch, um den sich die Gesellschaft auf der Erde lagert. 
Und endlich der „gedeckte Tisch im Atelier": in der Bohemien-Dachkammer zwischen 
den Wänden, bemalt mit Künstler-Ulk, die umgekehrte große Bilderkiste, die nach dem 
lmpressionisten-Picknick schreit. So folgt dem Ausstattungsstück das Satyrspiel. F. P. 
BRESLAU. AUSSTELLUNG ZUR JAI-IRHUNDERTFEIER DER FREI- 
HEITSKRIEGE, BRESLAÜ 19 I3. Eine große kunst- und kulturgeschichtliche 
Ausstellung zur ]ahrhundertfeier der Freiheitskriege veranstaltet die Stadt Breslau von 
Mitte Mai bis Ende Oktober 1913 unter dem Protektorat des Kronprinzen des Deutschen 
Reiches. Die Ausstellung, mit der die Stadt ein ständiges Ausstellungsgebäude im Scheit- 
niger Parke eröffnet, ist den Fürsten, Heerführern, Staatsmännern, Dichtern, Künstlern 
und bedeutenden Frauen jener Zeit gewidmet, umfaßt das damalige Heereswesen und vor 
allem Bilder der Ereignisse, als Rahmen aber die Kunst und das Kunstgewerbe der Zeit 
vor hundertjahren. Ein Aufruf, den eine große Zahl von bekannten Größen der Politik, der 
Wissenschaft und Kunst, des Handels und der Industrie, hohe Staats- und Gemeinde- 
bearnte und Nachkommen von Helden der Freiheitskriege aus ganz Deutschland als 
Mitglieder des Ehrenausschusses unterzeichnet haben, erbittet Leihgaben für die Aus-
	        

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