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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 4)

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Schriftstellerinnen; der Musiksaal sammelt in seinen zweckmäßigen, mit Klappfächern 
ausgestatteten Glasschränken das Material für die Frau in der Musik. 
Das Redaktionszimmer von Elisabeth von Blaczko ist aus Ahorn und Polisander mit 
grünlicher Wandbespannung, die durch breite Leisten mit kräftigen Perlrandstäben 
gegliedert wird. Der fest zusammengehaltene Raum mit seinem Oberlicht, seinen gebor- 
genen Lese-Ecken hat etwas Gesammeltes. Und das gleiche darf man von Frau Oppler- 
Legbands Library sagen, mit ihren die Wand umziehenden Regalen. Und der Betrachtung 
strenge Lust wird dadurch gemildert, daß sie nur halbhoch, daß sie als Paneel den Raum 
gliedern helfen, daß sich aus ihrer herben Geradheit ein Vitrinenhalbrondell herausrundet, 
hinter dessen Scheiben zwischen dumpf leuchtenden Stoffen exotischer Bric-ä-Brac sich 
zum Stilleben eint. 
Von feierlichem Klang durchweht erscheint der Musiksaal von Frau Cucue1- 
Tscheuschner im tiefdunkel spiegelnden Schwarz der Holzbekleidung, der Möbel und dem 
Lilablau der Bezüge aufden feierlich starren Sesseln mit den steil ansteigenden pyramiden- 
förmigenRückenlehnen. Die volle Pathetique-Weise erhält eine graziöse rondohafte Mischung 
dadurch, daß in die dunkelglatten Holzwände zierlich ausgesägtes japanisches Gitterwerk 
als Unterbrechungsfüllung eingesetzt ward. Aus solchem reizvoll verschleiften und ver- 
schlungenem Holziiligran werden auch Türrahmen und Supraporten gebildet, und 
zur bestrickenden Wirkung steigert es sich in den magievollen aus den Deckenkassetten 
entwickelten Laternenkästchen, aus denen weißes Schleierlicht, ein claire de lune, her- 
niederrinnt auf die schwarz-lila-blaue Sinfonie. 
Es folgt noch ein Eßzimmer, distinguiert, doch nicht allzu persönlich, und das Schlaf- 
zimmer von Elisabeth von Hahn, das mit seinen weißen Möbeln, der pikanten polygonen 
Hutvitrine, dem breiten lichten Lager unter dem grünen Zeltdach Kühle und Rafiinement 
verbindet. Es verdirbt sich aber seine Haltung durch die unglückseligen, abgehackten 
hölzernen Schwanenhälse mit den schwarz illuminierten Köpfen, die als Verstrebungs- 
glieder zwischen den Unterkörpern und den Aufsätzen der Schränke fungieren und sich 
Hankierend an den Seitenkanten entlang schlängeln. 
Den feinen Geschmack dieser sonst so sicheren Künstlerin erkennt man viel besser 
an ihren Schaufenster-lnszenierungen, von denen hier in einer sehr geschickten Bühnen- 
anlage verschie- 
dene Proben ge- 
geben werden: 
Mannequins im 
Interieur mit der 
Abstimmung der 
Kostüme zu den 
Farben des Rau- 
mes im künst- 
lichen Licht; 
eine koloristi- 
sche Phantasie 
rieselnder oran- 
ge, champagne- 
toniger, blauer 
Seiden zwischen 
samtschwarzen 
Wänden; eine 
dunkle Buddha- 
Bronze einge- 
fü-ßt Von Para" Ausstellung der modernen dekorativen Künste zu Paris. Divan (Lederarbeit) von M. de 
vents mit der Feiice 

	        

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