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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

Rücksicht mehr nimmt, istder Teller mit dem jungen Mädchen mit dem 
Falken auf der Hand (Abb. 8); hier wird die in allen bisherigen Proben streng 
gewahrte Scheidung zwischen Mittelfeld und Rand gänzlich vernachlässigt; 
die Figur reicht oben wie unten über den Rand hinaus, ebenso wie das 
Pflanzenornament auch noch einen Teil des Mittelfeldes bedeckt, und das 
stört, obwohl die Figur an sich ja reizend wirkt. Die Behandlung ist eine 
ganz malerische, zum Teil ohne feste Umrisse; die Begrenzung wird dann 
allein durch die Farbe angedeutet, wie bei dem Vogel oder dem linken Ober- 
arm des Mädchens. Die Farben sind meistens ganz leicht angelegt; nur das 
Dunkelbraun der Pilanzenstaude ist dick aufgetragen. Der Grund des Tellers 
ist grau, der Rand und die Kreise, die um denselben laufen, sind graublau, 
ebenso der obere Teil des Tellers, den Himmel vorstellend, und die Quer- 
streifen auf dem Kleid; der Erdboden und das Kleid ist grün, der Hinter- 
grund über dem Boden ist dunkelgelb, nach oben zu heller werdend; gelb 
ist ferner das Haar und der Hut des Mädchens und der Bauch des Vogels, 
Schürze und Kragen haben das Grau der Grundfarbe. Dem Kostüm nach 
zu schließen sind wir hier schon im zweiten Viertel des XVII. Jahrhunderts. 
Von fremdem Eintluß, auch in der Farbenskala, ist hier nichts mehr zu 
spüren. Die Auffassung und die Ausführung sind durchaus holländisch, und 
als Gemälde genommen (nicht als Gegenstand der angewandten Kunst) 
steht das Werkchen den gleichzeitigen Erzeugnissen der holländischen 
Malerei ebenbürtig zur 
Seite. 
Eine andere Probe 
der rein holländischen 
Richtung ist das Fliesen- 
gemälde mit dem Arke- 
busier (Abb. g); derselbe 
ist gerade im Begriff, mit 
der Lunte das Pulver in 
seinem Gewehr zu ent- 
zünden. Die Vorstellung 
ist eine Kopie nach einem 
Stiche von Jacques de 
Gheyn und findet sich 
in einem 1608 im Haag 
erschienenen Werke 
über das Waffenhand- 
werk „Maniement d'ar- 
mes, d'arquebuses, mous- 
quetz et piques". Hier- 
durch haben wir einen 
 
Abb. s. Teller aus dem zweiten Viertel des XVllLjabrhunderls, Durch- Anrfaltspunkt für d": 
mesw 1M Zentimeter Datierung der Arbeit; sie
	        

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