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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

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Die Umrisse auf dem 
Mittelfeld sind blau, 
auf dem Rande vio- 
lett; sonst ist nur noch 
Gelb verwendet; von 
dieser Farbe sind die 
Blätter und Grotes- 
ken auf dem Rande. 
Nur die in der Repro- 
duktion hell erschei- 
nenden Stellen, wie 
zum Beispiel die un- 
tere Hälfte der Flügel 
bei den Vögeln ist 
hellblau; und gerade 
diesem Wechsel von 
Gelb und Blau begeg- 
nen wir bei den Gro- 
tesken von Urbino. 
(Hierfür finden sich 
verschiedene Beispie- 
Abb. m. Vier Fliesen mit Kriegern in römischer Tracht, Breite und Höhe 1c in dem Oben er- 
263 Zentimeter (Photo Versluys) 4 
 
wähnten Werke von 
Darcel und Delange.) Violett sind außer den Umrissen allein die Flügel des 
doppelköpfigen Vogels oben und unten (Doppeladler?). Das Wappen in der 
Mitte ist blau und weiß. Das Email, von einer milchigen Weiße und schönem 
Glanz, erhöht den ruhigen, vornehmen Eindruck, den dieses etwa um 1650 
entstandene Werk holländischer Keramik macht. Der andere Teller steht 
in seiner Technik und Farbenskala wieder dichter bei den im Anfang 
besprochenen Arbeiten, obwohl er zeitlich v-iel später ist. Wir sehen im 
Mittelfeld eine Landschaft mit mächtigen, knorrigen, einen großen Teil des 
Tellers einnehmenden Eichen, unter denen zwei Frauen, die jugendliche 
Pomona und der in eine alte Frau verwandelte Vertumnus Platz genommen 
haben; im blau gehaltenen Hintergrund erblickt man ein Dorf mit einem 
Kirchturm. Zeichnung und Farbengebung sind hier von einer hohen Voll- 
endung; der unbekannte Künstler beherrscht sein schwieriges Fach voll- 
kommen. Welch ein frischer, natürlicher Geist spricht aus diesem kleinen 
Gemälde, welche Unbefangenheit und welche bis ins Kleinste gehende 
Beobachtungsgabe! Wie gut sind die beiden Figuren charakterisiert, der 
überreden wollende, mit Gesten seine Worte begleitende Vertumnus und 
die ungläubig, kritisch zuhörende Pomona! Meisterhaft ist die Behandlung 
des Laubes und die Wiedergabe des landschaftlichen Hintergrundes. Die 
ganze Auffassung des Vorwurfes, das Anschauliche der Vorstellung - man 
achte zum Beispiel auf den umgekehrten Sehiebkarren, auf dem Vertumnus
	        

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