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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

liegt darin, daß sie im lebendigen Kontakt mit den auf alter Grundlage 
großenteils noch heute weiterlebenden Techniken entstand und daß der 
Verfasser versucht, aus dem, was jetzt geschaffen wird, die Werke der 
längst vergangenen Blütezeit zu verstehen. Hier finden sich manche Be- 
merkungen eingestreut, an denen die kunstgeschichtliche Forschung nicht 
vorübergehen wird, da sie zur Klärung von Problemen beitragen, die uns 
mehr und mehr beschäftigen müssen. Vor allem aber wird der gebildete 
Laie, den die vorhandene Spezialliteratur wegen ihrer nüchternen Sachlich- 
keit schreckt, an dieser Stelle leichter als irgendwo über das Mobiliar im 
allgemeinen, über die Bronzen, die Holzarbeiten, die Fayencen, Waffen, 
Miniaturen, Gläser, Textilien und so weiter, über ihre Herstellung und ihre 
Entwicklung aufschlußreiche Belehrung finden. Das beigegebene reiche, 
großenteils farbige Illustrationsmaterial, das teils Gegenstände aus dem 
Besitze des Verfassers, teils solche aus verschiedenen europäischen Samm- 
lungen wiedergibt, erleichtert die Zwecke einer solchen Orientierung in 
einer Weise, wie das nur selten bei derartigen Publikationen der Fall zu 
sein pflegt. Eine nahezu vollständige Bibliographie und ein detailliertes 
Personen- und Sachregister, die den Abschluß dieses Bandes bilden, erhöhen 
noch seinen Wert als Nachschlagewerk. 
Erst der dritte und vierte Band bringen ein eigentliches, ausführliches 
Tagebuch über die Reiseroute selbst, wobei manche interessante Beob- 
achtung zu einem längeren Exkurs Veranlassung gibt. Die Fahrt ging 
über Konstantinopel, Trapezunt, Tiflis und Baku nach Askhabad in Russisch- 
Turkestan, wo die eigentliche Expedition ihren Anfang nahm. Ihr erstes 
Ziel war Meschhed in Khorasan, dem ein besonderes, inhaltreiches Kapitel 
gewidmet ist. Von da führte der Weg über Orte, deren Bedeutung für 
die Kunst- und Kulturgeschichte Persiens bekannt ist, über Nischapur, 
Sebzewar, Schahrud, Damghan, Veramin nach Teheran, das wiederum 
Gelegenheit zu einer ausführlichen Beschreibung gibt. Über Kum und 
Kaschan wandte sich der Verfasser dann nach Isfahan, dem er auf 80 Seiten 
eine kleine, lesenswerte und äußerst vielseitige Monographie widmet. Von 
da unternahm er einen Abstecher in das Gebiet der Bachtiaren, die bekannt- 
lich bei den letzten Umwälzungen in Persien eine ausschlaggebende Rolle 
spielten, so daß die Schilderung, die wir hier von ihrer Organisation, ihren 
Sitten und Gebräuchen erhalten, zumal sie auf Angaben beruht, die der 
Sardar Assad selbst dem Verfasser mitteilte, einer gewissen Aktualität nicht 
entbehrt. Die Rückkehr erfolgte dann wieder über Teheran, von da über 
Kaswin und Baku. 
Das Gebiet, dem diese Expedition gegolten hat, macht nur einen 
- übrigens keineswegs unerforschten - Teil des nördlichen Persien aus, 
und auch die Dauer der Reise, die sich nur über drei Monate erstreckte, hat 
nichts Verblüffendes; trotzdem wird man diesem Werk eine größere Be- 
deutung zusprechen müssen als vielen andern, die auf Grund weit kühnerer 
Unternehmungen entstanden sind, in denen aber nicht in so abschließender 
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