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Full text: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

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Form die Ergebnisse verarbeitet sind, die sie gezeitigt haben. Der Verfasser 
hat einen ausgezeichneten Blick für die von ihm berührten Gegenden, für 
ihre Bevölkerung und vor allem auch für die Denkmäler einstiger künst- 
lerischer Kultur bewiesen, und er hat es verstanden, seine im größten Stile 
angelegte Publikation mit Liebe und Geduld zu einem in jeder Hinsicht 
befriedigenden Ende zu führen. Die glänzende Ausstattung, die nicht leicht 
ihresgleichen Finden dürfte, ist ein weiteres Zeugnis dafür, daß hier weder 
Umstände noch Kosten gespart wurden, um ein Musterwerk zu schaffen, 
das jedem, der es in die Hand nimmt, sowohl durch den übersichtlichen und 
lesbaren Text wie durch das ausgezeichnete und mannigfaltige Bildmaterial 
eine Fülle von Anregungen zu bieten imstande ist. 
NEUERWERBUNGEN DES MUSEUMS FRAN- 
CISCO-CAROLINUM IN LINZ A. D. IN DEN 
JAHREN 1910 UND 1911 sc- VON DR. HERMANN 
UBELL-LINZ so- 
S liegt in der Natur der Dinge, daß die Kreise der 
historischen Landesmuseen und der kunstgewerb- 
liehen Muster- und Typensammlungen einander 
oft überschneiden. Wenn es auch die Aufgabe 
eines Landesmuseums zunächst nur ist, die Kultur- 
geschichte seiner Provinz durch seine Sammlungen 
wie mit einem ungeheuren Bilderatlas zu illu- 
strieren, so wird es eben durch die Natur dieser 
Sammlungen selbst dazu verführt werden, strecken- 
weise mit den universelleren Museumstypen zu 
konkurrieren und auf gewissen Gebieten eine Art systematischer Voll- 
ständigkeit anzustreben. Es hätte zum Beispiel keinen Sinn, sich in Ober- 
österreich bei der Aufsammlung keramischer Gegenstände auf die Produkte 
des heimischen Kunstfleißes zu beschränken und an all den Raerener, Sieg- 
burger, Kreußener und Nassauer Steinzeugwaren, an den Delfter und süd- 
deutschen Fayencen und den ausländischen Porzellanen achtlos vorüber- 
zugehen, die im Laufe der Jahrhunderte in das seit alters wohlhabende und 
kunstfrohe Land importiert wurden. Sie gehören eben auch mit ins „Bild", 
und nur theoretisierende Engherzigkeit wird sie daraus entfernen wollen. Ja, 
man kann noch ein wenig weitergehen und Dinge in die Sammlungen 
aufnehmen, die sich erwiesenermaßen nie im Lande befunden haben. Wenn 
eine Sammlungsabteilung einmal eine solche Bedeutung erreicht hat wie 
die der oberösterreichischen gotischen Holzskulpturen im Linzer Museum, 
so läßt es sich durchaus rechtfertigen, wenn zu stilistischen Vergleichungs- 
zwecken italienische, Tiroler und niederdeutsche Arbeiten danebengestellt 

	        
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