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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

durch Korrosion gelitten. Die Schönheit der Komposition, die auch an jener 
Herkulesstatuette nicht zu verkennen war, ist davon unberührt geblieben; von 
dem wohllautenden Schwung ihrer Linien, der namentlich an der Rückseite 
auffällt, übermittelt die Abbildung leider keine rechte Vorstellung. Nackt, auf 
linkem Stand- und rechtem Spielbein, steht die Göttin vor uns, den mit einem 
Diadem bekrönten Kopf gegen die Seite des Spielbeines gewendet. Mit der 
Linken bedeckt sie den Schoß, das Attribut in der vorgestreckten Rechten 
(Apfel? Muschel? Schale?) ist verloren gegangen. Das Diadem wird von der 
hochgetürmten, kunstvollen Frisur überragt, rechts und links fallen je zwei 
lange Locken auf die Schultern. Die Proportionen sind auffallend schlank, 
die hochsitzenden Brüste klein. Wie bei 
jenem Herkules legt auch hier die Quali- 
tät der Arbeit den Gedanken an die 
stadtrömische Provenienz aus guter Zeit 
(II. Jahrhundert nach Christi) nahe. 
Ähnliches gilt von dem vasenför- 
migen, reich skulptierten Aufsatz eines 
kleinen Grabdenkmals, der 1910 in Linz 
(an der Böschung des „Römerberges" 
gegen den „Tiefen Graben" zu) aus- 
gegraben wurde (Abb. z). Die Vase ist 
etwas über 18 Zentimeter hoch und 
aus weißem Marmor. Den Übergang 
zwischen dem leicht eingezogenen Hals 
und dem bauchigen Körper des Gefäßes, 
den sonst die Henkel markieren, ver- 
mitteln hier zwei vollrund gearbeitete 
Widderköpfe von schöner Ausführung. 
Von den gewundenen Hörnern der Wid- 
der hängt auf beiden Seiten der Gefäß- 
wand je eine mit den wollenen Opferbin- 
den (vittae) umwundene Girlande (serta) 
herab, die hier aus Feigen und Feigen- 
blättern besteht und in der Mitte je eine 
rosettenförmige Blüte aufweist. Die frei- 
iiatternden Enden der Opferbinden sind 
zur Füllung des Raumes verwendet. Um 
den Hals der Vase, der sich mit einer 
schmalen Kante gegen den Gefäßkörper 
absetzt, schmiegt sich in schwachem 
Relief ein Lorbeerzweig mit Früchten, 
von schöner Weichheit der Arbeit. Von 
unten strebt am Vasenkörper ein dichter, 
Abb. 3. Mariä Heimsuchung, Alxariiügel, salz- 
burgisch, XV. Jahrhundert (Angekauft aus einer _ _ 
Spende) steiler Lorbeerblattkranz empor. Die
	        

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