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Full text: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

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Kleides ist von dem steiferen des Mantels deutlich unterschieden. Der Wurf 
der tiefunterhöhlten Mantelfalten bewegt sich in wenigen schlichten, aber 
ausdrucksvollen Motiven; auffällig ist der dreieckförmige Ausschnitt, den der 
Mantel am Unterleib freiläßt. In die streng hieratische Auffassung der älteren 
Zeit dringen schon genrehafte Motive ein; die Blicke von Mutter und Kind 
sind nicht aufeinander gerichtet, sondem wenden sich, dem Charakter des 
Kultbildes entsprechend, den Andächtigen zu; andrerseits greift das Knäblein 
mit gut beobachteter, echt kindlicher Gebärde nach dem (leise angedeuteten) 
Doppelkinn der Mutter („s'Goderl kratzen", nennt man das in Oberöster- 
reich) und verkrümmt das linke Füßchen in charakteristischer Weise. (Der 
fehlende rechte Unterarm dürfte ein Zepter getragen haben, in den Dübel- 
löchem der Krone haben einst hoch emporragende Zacken gesteckt.) 
Gleichfalls aus dem Mühlviertel stammt die schöne Wandgruppe der 
heiligen Anna selbdritt (Rücken ausgehöhlt, Lindenholz, abgelaugt und dunkel 
geheizt), die dem ersten Jahrzehnt des XVI. Jahrhunderts angehört (Abb. 6). 
Breit, mit etwas vorgesetztem linken und zurückgezogenem rechten Bein 
sitzt Großmutter Anna 
in ehrbarer Hausfrauen- 
tracht auf dem bankar- 
tigen Sitz, dessen profi- 
lierte Eckpfosten rechts 
und links zum Vorschein 
kommen. Die Gestalt ist 
von weitem Gewand ganz 
umrahmt; vom Hinter- 
haupt fällt ein tief in die 
Stirne hineinreichendes 
Kopftuch auf die Schul- 
tern, die Kinnbinde geht 
bis zur Brust herab, über 
dem faltigen Rock wird 
ein enges Leibchen aus 
dichterem Stoff sichtbar, 
von den Schultern fällt 
der weitärmelige Mantel 
auf den Boden, und quer 
über den Schoß ist zu 
allem Überfluß ein Tuch 
gezogen, auf dem die 
Kinder sitzen und das in 
großen, welligen Falten 
niederfällt und sich am 
Boden muschelförmig 
u n _ _ Abb.6. Heilige Anna selbdriu, Lindenholz, Oberösterreich,Mühlviertel, 
uberschlagt. Diese dichte Anfang des xvi. Jahrhunderts (Leihgabe)
	        
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