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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

die Reife der Meisterschaft, aber die interessante Wirkung von intensiv Suchenden 
eigen ist. 
Die jüngste französische Entwicklungsstufe der Nachfolger Cezannes, Gauguins, 
Denis' und anderer, die in der äußersten Vereinfachung der Fonn das Mittel zur stärksten 
Steigerung und höchsten Verfeinerung der Tonwerte erblicken und die Fähigkeit aus- 
bilden, mit Wenigem viel zu sagen, diese verlockende und schwierige Art zu wirken wird 
von mehreren jüngeren Künstlern gepiiegt. 
Unter ihnen fällt der in Paris lebende G. Merkel auf, der in sehr ungleichwertigen 
Arbeiten teils erfolgreich in tüchtigen Naturstudien, teils unzulänglich, wenn er sich zu 
selbständigen und strengen Kompositionen erhebt, diese Wege geht. Ähnliches empfindet 
man bei Kolig, Revy und Feistauer, die vor der Natur große Feinheit der Tonempiindung 
betätigen. Nur Schiele liebt es, ganz frei und unabhängig von der Natur seinen kapriziösen 
Farbenimpressionen nachzugehen, die dann zwar oft etwas unverständliche Phantasien, 
immer aber reizvolle Fleckwirkungen ergeben. 
Der amüsante O. Laske strebt hingegen, in seinen an Einfällen reichen Kompositionen 
bunte Impressionen wiederzugeben, wie auch seine zahlreichen Reiseskizzen zeigen. Er hat 
das echte Erzählertalent, dem nur bei lebhaften Vorgängen und wimmelnden Figuren recht 
wohl ist. Diese weiß er aber stets geistvoll, wenn auch flüchtig und andeutungsweise so 
hinzusetzen, daß man sich lebhaft angeregt fühlt. 
Daß treffliches zeichnerisches Können und geschmackvolle Farbe nicht davor 
bewahren, trocken zu werden, sieht man bei R. Sieck, der in der Verkleinerung durch 
Reproduktionen sehr gewinnt und bei Hans Unger, der am besten in seinen Blumenstilleben 
wirkt. Hingegen ist die derb zugreifende Faust des Polen Pautsch wieder durch ihre 
Gewalttätigkeit manchmal zu unbekümmert. Seine Wirkungen gehören zu den stärksten, 
aber nicht zu den feinsten. 
Die bekannten Mitglieder des Hagenbundes bringen jeder in seiner Weise ernste 
Früchte der Jahresarbeit. Doch weil mit dem Aufzählen von Namen ja niemandem gedient 
wird, sei an dieser Stelle auf ihre würdige Haltung hingewiesen und ihnen der Wunsch 
ausgesprochen, daß die schweren Stunden des Augenblicks bald von einer hoHnungs- 
reicheren Zeit abgelöst werden mögen. 
KUNSTSALON HUGO HELLER. Über die vielen amüsanten Einfälle Heinrich 
Kleys, die hier die Wand bedecken, ist wenig zu sagen. Ihr Humor und ihre flotte 
Mache ist allen Lesern des „Simplizissimus" zur Genüge bekannt, die nun an den Originalen 
den ursprünglicheren Reiz dieser Kneipzeitungs- und Witzblattillustrationen mit Schmunzeln 
genießen können. Seine Aquarelle stehen weit zurück hinter den Zeichnungen. Die male- 
rischen Versuche Walter Fraenkels lassen einen noch tastenden und suchendenKünstler 
erkennen, den die herbe Strenge früher Kunstperioden in unserer nervösen Zeit festhalten 
will. Klara Rilke bringt eine Reihe tüchtiger Porträtköpfe aus der Welt berühmter Schrift- 
steller, die weniger eine große Selbständigkeit als ernstes Studium moderner Künstler und 
der Natur selbst verraten, die Ehrlichkeit des Wollens und Könnens zeigen. Luise Horo- 
witz bringt eine Vitrine mit Stickereien und Schmuckstücken, die erkennen lassen, daß sie 
einen richtigen Blick für ornamentale Wirkung und Farbe besitzt und das Material wie 
die Technik in ehrlichem, modernem Sinne handhabt. 
GALERIE ARNOT. ITALICO BRASS. Der Venezianer Maler Italico Brass hat 
eine größere Zahl von Studien und Bildern bei Arnot ausgestellt. Er sucht in der 
Lagunenstadt nicht die südliche Sonne, sondern die graue Stimmung, die an zahlreichen 
feuchten nebligen Tagen in Venedig so häufig ist. Die Farbenfreude des Volkes, die starke 
Farbe an Trachten, Uniformen und Priesterkleidern gibt den Akzent. 
Man bedauert seine flüchtige, nicht tiefe, italienisch leichtherzige Art, mit den Er- 
scheinungen zu spielen, die seiner feinen Tonempiindung den nötigen Ernst entzieht.
	        

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