MAK

Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

Ein kurzes Schlußwort über die Plastik. 
Der ausgezeichnete Barlach schnitzt in Holz mit goldig leuchtenden Narben den 
Wüstenprediger. Gleich einer geballten Wolke ist er gelagert; sein Haar weht im Sturm 
und man glaubt aus dem eifernden Gesicht die Stimme daherbrausen zu hören. 
Grotesken in Marmor bringt Arminius Hasemann, die Masken des Narren und des 
Kondottiere, kautschukhaft geknetet. Ganz stark ist Minnes Halbfigur in Bronze mit dem 
Runengesicht voller Ungewitter. , 
Den Zug zum Archaischen, den Maillol und Haller vor einigen Jahren zuerst zeigten, 
erkennt man in dem Torso von Wilhelm Lehmbruck und der Steinskulptur der Sitzenden 
von Milly Steger. Kolbes Somaliknabe aus Bronze wirkt fein durch die schmale Linie 
des Körpers und die schwanke wie im Wind bebende Haltung. Gauls Pinguine sind 
ungemein echt mit ihren tappigen Gummikörpem und den patschigen Flossen. F. P. 
ON DER EDELEN GLASMAL-KUNST. Die Werkstätten von J. Schmidt 
haben im Lipperheideschen Palais eine Reihe von Glasmalereien moderner Künstler 
ausgestellt, die mit tiefem Leuchten und vollem koloristischen Klang die Räume erfüllen. 
Als historischen Auftakt sieht man einige alte Fenster, Schweizer Haus- und 
Familienscheiben mit Wappen und Emblemen der Geschlechter und zwei sehr interessante 
Schildereien des Jüngsten Gerichts mit gewundenen Erzengelposaunen, mit Skeletten und 
Lemuren aus Grüften, amethystenen Wolken der Höhe und rotlohendem Höllenrachen 
der Tiefe, aus der die Teufel vom krummen Horn tauchen. 
In der Schau der neuen Arbeiten begegnet man den verschiedensten Tempera- 
menten; überwiegend sind die ausdrucksvollen Lösungen, dekorativ und prangend in der 
Wirkung und dabei rein aus den technischen Bedingungen abgeleitet. Dafür scheint 
besonders charakteristisch der Perseus von Wilhelm Bartz. Die Verbleiungslinien, die 
konstruktiv notwendig sind, um die farbigen Glasstücke zusammenzuhalten, werden hier 
besonders geschickt zur zeichnerischen Konturwirkung benutzt. Sie umschreiben dunkel- 
tonig die Umrisse des Helms, des Visiers mit dem scharf geschnittenen Nasenbügel, 
und sie bilden die welligen Bandornamente auf Beinschienen und Panzer im hellgrünen 
Grunde. - 
Manch Altmeisterliches begegnet: religiöse Darstellungen von Alfred Böld, die 
Krippe, die heilige Veronika, ein Cruzilixus von Gusmann, inbrünstig und glühend; und 
Scheiben in emblematischen Stil alter Kupfer in gelbgrünen Tönen mit Gewerkes Zeichen. 
So hat sich Fritz Böhle die wackere Bräuerei ausersehen. Er bringt auf das Glas die 
schwerhufigen massiven Lastgäule, die wir von seinen erdschollenhaften Holzschnitten 
kennen. Sie ziehen, vom Reuter gelenkt, den Wagen mit der rundlichen Tonne; ein 
stämmiger Gesell mit dem geschwenkten Maßkrug schreitet gewichtig neben den Russen, 
der Bräuknecht, und aus schweiügen Kartuschen grüßen in Schnörkelschrift freundliche 
Sprüchlein wie der: „Laß Dir Dein Schöpplein frommen." 
Leicht ironische Stilspiele treibt Christophe mit seinen amüsant gespreizten Szenen 
eines Karnevalrokokos, so der Jagdszene mit der fürstlichen Nimrodin in pompösem 
Reifrock, der ihr Kammermohr das Gewehr ladet. 
Das Leda-Motiv mit der zärtlichen Schmiegsamkeit des weiblichen Aktes lockt 
mehrere Male, einmal von Julie Wolf-Thom auf blumigen Kissen zwischen üppigen 
Stoffen in der Veranda, das andere Mal von Alfred Böld (Karlsruhe), mythologiegerechter, 
mit dem Schwan im Schoß, Gefieder und Frauenleib in silbrig sprühender Harmonie, von 
braungoldenem Tongewoge umschimmert. Auf kokett dekorative Neigungen zeigen die 
Kaprizen von Gipkens und julius Klinger. Von Gipkens das Dielenfenster mit dem um- 
rahmenden feurigen, violettroten Blumenkranz, dem runden Innenfeld, champagnetonig, 
in dessen Mitte auf lila Reifen sich ein weißer Arras schaukelt; und von Klinger die 
pikanten Variationen der Dame zwischen den Flamingos und die schillernden blauen 
Seifenblasengaukeleien.
	        

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