MAK

Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

Man entdeckt aber auch Proben neuer Ausdruckssprache, die sich dabei beschränkend 
nur an die Überlieferungsmittel hält, an die Schere, das schwarze Papier, den weißen 
Grund. In diesem Schwarzweißbereich begegnet gleichfalls die Exzentriknote. Magdalene 
Koll läßt Clowns, Fackel- und Schwerttänzerinnen, Schlangenbändigerinnen sich produ- 
zieren, niggerhaft, an die ethnographischen Tendenzen der neuen Sezession erinnernd. 
An ihrem Scherenstil ist auffallend das große plakatartige Format und, im Gegensatz zu 
dem gewohnten zierlichen Filigranwerk des Durchbruchs, die weißen Maschen. Während 
man sonst an Spitzengespinst denkt, wirken diese in das Schwarz hineingeschnitterien 
Ornamente, der Banddurchzug beim Tänzerinkleid, die mächtigen Zeichnungen auf dem 
Schlangenleib wie Muster aus Schmiedeeisen und die massigen Ringe der Schlange 
gleichen Pneumatiks. 
Rafl-lnement mit den einfachsten Mitteln zeigt Carlos Tips. In seiner Barszene 
bildet er eine Spanierin lediglich aus dem weißen Papiergrund, indem er mit schwarzem 
Papier nur den Hut, ein paar Taillenkonturen, den Volant und die Schuhe setzt. Ein 
suggestiver artistischer Witz. Sehr eigene Motive wählt er. In „Golgatha" wecken zer- 
rissene Wolkenfetzen unheimliche Stimmung; groß in schwarzen Massen aufgemauert ist 
das Gebirge und weit und licht mit Unendlichkeitshorizont dehnt sich die Wüste vor 
einem Hügel. 
Zur größten Bewunderung zwingt schließlich die Landschaftskunst von Maria Lahrs 
und Heinrich Wolff. Von ihr der Mann mit Kuh, großflächig aufgebaut an einem abend- 
lichen Wasserfiecken. 
Von Wolff Stimmungen der Wolken, Baumzweige über einem See. Originell ist hier, 
daß nicht der schwarze Schattenriß aufs Papier geheftet wird, sondern daD aus der den 
weißen Grund ganz bedeckenden schwarzen Fläche durch streitige Einschnitte die 
Wirkungen des weißen Grundes herausgeholt werden. Also ein Zeichnen nicht schwarz 
auf weiß, sondern weil] in schwarz. Vor allem für Wassermotive ergeben sich hier Effekte 
von holzschnittstarker Kraft. Felix Poppenberg 
BRÜNN. AUSSTELLUNG VON MODERNEN ZEICHNUNGEN. Das 
Erzherzog Rainer-Museum eröffnete eine ungemein reich beschickte „Ausstellung 
von Zeichnungen moderner Künstler", die eine Art Ergänzung zu der 1910 vom Museum 
veranstalteten Ausstellung alter I-landzeichnungen aus mährischem Privatbesitz bildet. 
An der diesjährigen Ausstellung beteiligen sich die Wiener und Berliner Sezession 
(darunter Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt), der Karlsruher Künstlerbund 
und der Bund zeichnender Künstler in München. Hervorragend vertreten sind die Wiener 
Alois l-länisch, Lenz, Liebenwein, Anton Nowak, Grom-Rothmayer, Karl Müller, der in 
Salzburg lebende C. A. Reichel, der durch seine Farbenholzschnitte bekannt gewordene 
Walter Klemm, die in München lebenden Österreicher Max Mayrshofer und Ferdinand 
Staeger. Durch Paul Cassirer kamen außer den schon genannten Mitgliedern der Berliner 
Sezession noch Käthe Kollwitz, Ulrich Hühner, Theo von Brockhusen und Ernst Barlach. 
Von den Karlsruher Künstlern sind namentlich die Professoren Albert Haueisen, Gustav 
Katnpmann und Hans von Volkmann gut vertreten, von den Dresdnern Robert Sterl und 
Otto Fischer und der an der Dresdner Akademie wirkende Österreicher Professor Hegen- 
barth. Von den Münchnern sieht man Walter Püttners ausgezeichnete Aktstudien, dann 
Arbeiten von Gustav Bechler, Paul Bürck, Hans Hammer, Ludwig von Hofmann, Ernst 
Liebermann und viele andere. Unter den Künstlerinnen ragt die als treflliche Zeichnerin 
bekannte Wienerin Gabriele Murad-Michalkowsky hervor. Die Ausstellung gibt einen sehr 
guten Überblick über die moderne Kunst und ihre Ziele. 
ARISER AUSSTELLUNGEN. Die Ausstellung der „Societe des Artistes Inde- 
pendants" findet in den eigens hierfür erbauten Zelten am Quai d'Orsay statt. Beinahe 
4.000 Nummern in 44 Sälen liefern hier wieder einmal den Beweis dafür, wie schrecklich
	        

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