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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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wenig mehr als 300 Meter erreichen, der westliche Theil dagegen aus zerklüfteten wilden 
Felsinassen und einem ziemlich breiten kahlen Rücken, dessen Abhänge nur mit großer 
Mühe bewaldet werden konnten. Freilich besteht der Wald oft nur aus bloßem Gebüsch, 
da hohe Stämme auf dem felsigen Grunde kein Fortkommen finden. Den höchsten Punkt 
erreicht dieser Gebirgskamm im Maidenberg (550 Meter), welcher in einer malerischen 
Felswand nordwärts zur Thaya abfällt und eine Aussicht gewährt, welche mit der vom 
Hosteinberge an Schönheit wetteifert. Am nordöstlichen Ende dieser Wand liegen auf 
einer 428 Meter hohen Felsterrasse die Ruinen der Maidenburg, welche aus der 
Ferne weit imposanter aussieht, als sie in Wirklichkeit ist. Nördlich von derselben und etwa 
100 Meter tiefer ragen drei dunkle scharfkantige Felszinnen hoch über den Wald empor; 
es sind dies die sagenberühmten Maidensteine. 
Ein reizendes Bergthal mit steilen Felsenwänden, die sogenannte Klause, trennt den 
Maidenberg von dem südwestlich davon gelegenen Kesselberg, an den sich weiter südlich der 
Tafelberg reiht. Dieser trägt auf einem kahlen, schroffen und durch eine tiefe Kluft in zwei 
Theile gespaltenen Felsen die Überreste der Burg Waisenstein (oft auch Rosensteiu genannt). 
Von hier gelangt mau über den Turoldberg, wo sich einige schwer zugängliche Höhlen 
befinden, zu dem sich an den Fuß der Polauer Berge schmiegenden Nikolsburg mit einem 
umfangreichen Schlosse in durchaus bewohnbarem Zustand, das, auf einem müßigen Kalk 
hügel erbaut, hoch über die niedrigen Häuser der Stadt emporragt. An den Abhängen dieses 
von derSonne durchglühtenKalkgebirges gedeihen die Weinreben und einige Obstgattungeu, 
insbesondere Pfirsiche, zu besonderer Güte, ja manche daselbst gewonnene Rothweine, wie 
z. B. die von Polau, können mit berühmten französischen Sorten Burgunds rivalisiren. 
Die natürliche Verbindung, in welcher Mähren und Niederösterreich durch das Thal 
der Thaya und March stehen, wurde in der Nähe jenes Marksteines der Polauer Berge 
durch die Kunst ungewöhnlich verschönert. Zu Anfang dieses Jahrhundertes floß hier 
die Thaya von Eisgrub bis Lundenburg träge zwischen niedrigen mit Weidengebüsch 
bewachsenen Ufern dahin. Nach größeren Regengüssen traten die schlammigen Fluthen 
aus, überschwemmten meilenbreit das ebene Land und bildeten an tieferen Stellen bleibende 
Sümpfe, aus denen das schwankende Schilfrohr traurig emporsah. Nur einzelne Auen und 
Laubwälder unterbrachen die Einförmigkeit der Gegend. Da begann im Jahre 1805 Fürst 
Johann von Liechtenstein die Thaya mit ihren Pfützen und Sümpfen zu reguliren. Hunderte 
von Menschen waren durch viele Jahre beschäftigt, das ganze Flußgebiet umzugestalten und 
ein großes Netz von miteinander verbundenen Teichen und Bächen anzulegen. In sechs 
Jahren wurde unter anderem ein Wasserbecken hergestellt, das eine halbe Stunde lang und 
eine Viertelstunde breit ist und von einem Arm der Thaya gespeist wird, während man das 
gewonnene Erdreich zu Anschüttungen und Anfüllungen von tieferen Stellen verwendete.
	        
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