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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 6 und 7)

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Man wird begreifen, daß die stilistischen Eigenheiten einer Stickerei (und fügen wir 
hinzu: einer Tapisserie) weit schwerer zu beurteilen sind als die eines Gemäldes. Wir kennen 
zwar heute noch nicht die technischen Vorgänge bei der Ausführung der genannten Textil- 
arbeiten im späten Mittelalter. Bei reicheren Tapisserien liegen später zwischen dem 
gemalten Vorbilde und den ausgeführten Arbeiten offenbar häufig ausgesprochene Werk- 
zeichnungen, auf denen die Grenzen der Farben in Linien angegeben waren. Aber auch, 
wenn sich die ausführende Hand selber die Farben nach dem künstlerischen Vorbild ein- 
teilte, werden die Formen vielfach unabsichtlich geändert worden sein. 
Was die beim burgundischen Ornat zur Anwendung gelangte „Lasurtechnik" betrifft, 
so möchten wir erwähnen, daß das Österreichische Museum einige Stickereien besitzt, an 
denen man das Entstehen 
dieser Stickart recht 
deutlich verfolgen kann. 
Da wir ohnehin die Ab- 
sicht hatten, diese Arbei- 
ten in absehbarer Zeit zu 
veröffentlichen, so wollen 
wir hier nur kurz darauf 
hinweisen. 
Man erkennt an den 
erwähnten Beispielen, 
daß sich die „Lasur- 
technik" allmählich aus 
der „Legetechnilw ent- 
wickelt hat. Bei dieser 
werden die Goldfaden 
nicht durch den Grund- 
stoff hindurchgestochen, 
sondern aufgelegt und 
durch Seidenstiche nie- 
dergehalten; dabei kommt 
man, bei Ausfüllung gan- 
zer Flächen, schon früh 
dazu, die Goldfäden 
parallel zu legen. Die 
Frlihjahrsausstellung österreichischer Kunstgewerbe. Modell eines Land- niederhaltenden Stiche 
hause: von Architekt Alfred Keller werden anfänglich noch 
ziemlich regelmäßig ver- 
setzt; es entspricht aber dem Fortschreiten des Naturalismus in der Gotik, daß man diese 
ursprünglich nur niederhaltenden und regelmäßig verteilten Stiche durch Aneinander- 
schieben oder Auseinanderrücken zugleich zum Niederhalten, zur Farbengebung und zur 
Modellierung benutzt. 
Der burgundische Ornat gehört jedenfalls zu den glänzendsten Leistungen dieser 
Technik. Auch darf man wohl sagen, daß man in einer bestimmten Richtung künstlerisch 
Vollendeteres nicht finden kann. Wir können es darum nur für außerordentlich verdienst- 
voll halten, daß man diesen Werken eine so vornehme, eindringende und belehrende Ver- 
öffentlichung gewidmet hat, und wir glauben, daß diese auch weiterhin künstlerisch, wissen- 
schaftlich und technisch gleich anregend sein wird. M. Dreger 
 
DIE WERKE DES JOSEF THADDÄUS STAMMEL. Noch vor wenigen 
Jahrzehnten hat der um die Erforschung der steirischen Kunstgeschichte so hoch- 
verdiente Josef Wastler von der „Ungenießbarkeiw des „symbolischen Wustes" an den
	        

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