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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

Abb. r7. Frauenligürchen mit Schapel und offenem Haar als Kinder- 
klappern aus gebranntem Ton. Straßburg, XIII. Jahrhundert (Straß- 
burg, Museum elsässischer Altertümer, Altes Schloß) 
 
niederblickend, wie es die 
Minnesänger damals als 
Schönheitsideal lobprie- 
sen (Abb. I7). Ein anderes 
Mal verbildlicht solch eine 
töneme Rassel ein Mäd- 
chen mit zwei Tauben am 
Brunnentroge (Abb. I8). 
Auch allerlei Reitertiguren 
fabrizierte jene Zeit für das 
Spiel der Kinder aus un- 
glasiertem oder glasiertem 
Ton, wovon uns die Ab- 
bildungen rg bis 21 vier in 
ihren Stildifferenzen recht 
charakteristischeBeispiele 
aus drei verschiedenen 
Jahrhunderten des späte- 
sten Mittelalters darbieten 
können. Derartige Ritter- 
gestalten wurden nicht sel- 
ten auch zu Marionetten- 
spielen verwendet, in de- 
nen sie, an Schnüren ge- 
zogen, als Turnierpuppen gegeneinander kämpfen mußten, wie es schon eine 
 
 
 
 
 
Abb. 18. Mädchen mit Tauben 
an einem Brunnentrog, der als 
Kinderklapper dient. Gebrannter 
Ton, Straßburg. XIII. Jahrhun- 
dert (Straßburg, Museum elsäs- 
sischer Altertümer, Alte Schloß) 
Miniatur des späteren XII. Jahrhunderts im Hortus deliciarum 
zeigt (Abb. 22). Ein gleiches Spielzeug erscheint in Hans Burgk- 
mairs „Weißkunigß dem die Kriegstaten Kaiser Maximilians I. 
verherrlichenden I-Iolzschnittwerk aus dem zweiten Jahrzehnt 
des XVI. Jahrhunderts, als „Kurtzweyl in der Jugend" abgebildet, 
und das Bayrische Nationalmuseum in München bewahrt aus 
der Sammlung Kuppelmayr noch zwei stattliche Turnierritter- 
puppen der deutschen Renaissanceperiode in der 
vollständigen Ausrüstung zum adeligen „Stechen". 
Von dieser Epoche an mehren sich nun die 
Denkmäler für die Kunst der Puppe naturgemäß 
beträchtlich. Die Nürnberger Spielwarenindustrie 
reicht bis in diese Tage zurück. Paris zeigt eine schon 
damals sich entwickelnde Blüte in der Herstellung 
sehr kostbarer Modepuppen, von denen wir zwei 
beispielsweise anführen, eine aus der Zeit Franz 1., 
der Sammlung Derville in Paris angehörig (Abb. 23), 
und eine etwas jüngere aus der Zeit Heinrichs IV. 
der bekannten Wiener Sammlung Figdor (Abb. 24).
	        

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