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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

gleich noch eine Anzahl ähnlicher Kostümiiguren aus Paris bestellt. Der 
zwei kostbar gekleideten französischen Renaissancepuppen wurde schon 
oben Erwähnung getan. Aber auch weiterhin spiegeln die Pariser Puppen 
alle Modevariationen des XVII., XVIII. und XIX. Jahrhunderts bis ins 
kleinste Detail wieder. Ein ganzer Industriezweig, der hauptsächlich seinen 
Sitz im Quartier St. Martin hatte, konnte sich von der Einkleidung dieser 
mondänen Gesellschaft en miniature nähren, die nicht weniger elegant sein 
wollte, als die grand monde in Versailles, Trianon und den Tuilerien, genau 
so, wie sie nicht weniger luxuriös wohnen, essen, schlafen wollte in ihren 
 
Abb. 27. Elsässische Puppenstube, Zimmer einer Wöchnerin mit Taufschmaus. Mine des XVIII. jahrhunderts 
(Straßburg, Elsässisches Museum, Nikolausstaden) 
mit zierlichem Komfort eingerichteten Puppenstuben, Küchen und Schlaf- 
zimmern. Gerade solche Puppenstuben können in ihrer kompletten Ein- 
richtung uns wertvolle Kulturbilder aus vergangenen Zeiten liefern (Abb. 27). 
Die auch heute noch durchaus geläufige Sitte, nach der neuesten Mode 
angezogene Modellpuppen, die ganz genau Schnitt und Ausstattung der 
Kostüme im kleinen reproduzieren, für die Schneiderwerkstätten und das 
nach den Pariser Nouveautes begierige Damenpublikum des Auslandes an- 
zufertigen, gewinnt im Laufe des XVIII. ]ahrhunderts allmählich allgemeine 
Verbreitung und beschränkt sich nicht nur auf das Kleid als solches, wie 
die Puppenköpfe für Haar- und Haubentrachten der Abbildungen 28 und 29 
beweisen. Eine vollständige Kostümgeschichte zieht in den französischen 
Puppengestalten an uns vorüber. Köstlich sind die kleinen Incroyables der 
Revolutionszeit, mit ihren weiten Hosen, den kurzen Jäckchen, den breiten,
	        

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