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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

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die übrigen Wertsachen verschleudert. Die Grabstätten der Bischöfe, ja 
selbst die der Familie des Erzherzogs Karl II. (1540-1590), der für sich und 
seine Angehörigen ein kunstvolles Mausoleum im Stil der italienischen 
Renaissance in der Kirche des Seckauer Stiftes hatte errichten lassen, wurden 
erbrochen und beraubt. Mit Ausnahme jener Teile des großen Gebäudes, in 
denen die Pfarrgeistlichkeit wohnte und die Rentbeamten ihre Kanzleien 
hatten, wurde alles übrige dem Verfalle preisgegeben. Wind und Wetter 
verwandelten das schöne, stattliche Stift sehr bald in eine Ruine. 
Das Wappen des ehemaligen Chorherrenstiftes Seckau bestand in 
einem von Hermelin und Rot geteilten Schild. Dieses Wappenbild wird 
zum erstenmal in einem Siegel des Propstes Ulrich IV. Kolusser (1415 bis 
1436) sichtbar, doch dürfte das Pelzwerk eher als Kürsch anzusprechen 
sein, weil ein solcher auch in einer Kopie eines gemalten Fensters aus 
dem XV. Jahrhundert eingetragen erscheint, ebenso in einem Wappen 
mit der Überschrift: „Insigne Adalrami prout in tabula notata An. 1596 
habeturß" 
Das Wappen soll also dem Stifter von Seckau, Adalram von Waldeck, an- 
gehört haben. Leider ist weder ein Wappensiegel Adalrams noch eines seiner 
näheren Verwandten auf uns gekommen, doch findet sich im „Frauendienst" 
des bekannten Minnesängers Ulrich von Lichtenstein (1227) das Wappen 
eines Adeligen beschrieben, der demselben Hause von Traisen entstammen 
dürfte, dem auch die Waldecker angehört haben. Es ist dies Otto von 
Lengenbach (Lengbach oder Re- 
gensberg), Domvogt von Regens- 
wg (T1235): 
„Sin schilt was niderhalben golt, 
daz ober teil was peltz vech gar." 
Wahrscheinlich trug die Linie 
Lengbach zur Unterscheidung von 
den Waldeckern die untere Hälfte 
des Schildes golden statt rot, ein 
Wechseln der Farben, das sich zu 
solchem Zwecke sehr häuiig nach- 
weisen läßt. 
Auf dem Helme als Kleinod 
dient ein goldener, nach rückwärts 
gebogener, krempenloser Spitzhut, 
der mit zwölf Pfauenspiegeln be- h. 
steckt ist. In Zacharias Bartsch' ' 
steiermärkischem Wappenbuch aus 
dem Jahre 1567 trägt der Spitzhut 
dagegen sieben weiße Kügelchen, 
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die mit schwarzen Hahnfedern be- 
"' Archiv des Bistums Seckau. Abb. 16. Olivetanerabtei St. josef auf Tanzenberg 
 
   
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