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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

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des Klosterbaues von unbekannter Hand über Nacht stets alles zerstört 
wurde, was die Heißigen Hände der Arbeiter bei Tag geschafft hatten, 
wahrscheinlich zur Strafe für die Außerachtlassung der Ordensregel der 
Zisterzienser, die verlangt, daß man Häuser dieses Ordens nicht auf bereits 
bebautem, sondern nur auf ödem Boden errichte. Eines Tages soll nun den 
über ihre vergebliche Arbeit ganz mutlos gewordenen Mönchen ein fremder 
grüner Vogel zugeflogen sein, der durch seinen oft wiederholten Ruf „sit hie, 
sit hie" (hier sei es!) genau den Platz angab, wo das Kloster erbaut werden 
sollte. Von diesem Vogelruf soll nun das Kloster seinen Namen und sein 
Wappenbild erhalten haben. Zur Erinnerung hat man, wie die Chronik 
erzählt, Jahre hindurch solch einen „raren Vogel" (Papagei) im Stifte auf- 
gezogen. 
Um welche Zeit dieses Wappen in Gebrauch genommen war, läßt sich 
kaum mehr eruieren, weil bei der Aufhebung des Stiftes sämtliche Urkunden 
in Verlust geraten sindf" Hausfarben besitzt das Stift Sittich bisher nicht, 
doch kämen im Gebrauchsfalle nur die Tinkturen Grün-Gelb, als die beiden 
I-Iauptfarben des Wappens, in Betracht. 
4. TRAPPISTEN. 
Einen Zweig des großen Ordens der Zisterzienser bilden die reformierten 
Zisterzienser Unserer Lieben Frau von la Trappe" (Ordo Cisterciensiurn 
Reformatorum B. M. V. de Trappa), der seit 1892 ganz selbständig ist und 
einen eigenen Generalabt besitzt, der den Titel eines Abtes von Cisterz führt, 
aber in Rom residiert. 
Zu dem Zisterzienserorden strenger Observanz gehörte die Abtei „La 
Trappe" (jetzt „La grande Trappe") bei Mortagne im französischen Departe- 
ment Ome, die, 1140 gegründet, der Benediktinerkongregation von Savigny 
angehört hatte. In diesem Kloster wurde im Jahre 1664 durch dessen Abt, 
Armand Jean le Bouthilier de Rance (geboren g. jänner 1626, gestorben 
26. Oktober 1700) eine strengere Reform eingeführt und dadurch die Grund- 
lage des neuen, sich sehr bald lebhaft entwickelnden Ordens geschaffen. 
Infolge der französischen Revolution mußten sich die Mönche unter ihrem 
damaligen Abte Dom Augustin de Lestrange nach der Schweiz iiüchten, wo 
der Konvent in Freiburg, in der alten Kartause La Valle-Sainte (I-Ieiligental) 
eine Unterkunft fand. Durch die Kriege Napoleons I. wurden die Mönche 
abermals heimatlos und über die ganze Welt zerstreut. Dom Augustin mit 
einer Anzahl von Brüdern kam im Jahre 1811 sogar über England nach 
Amerika, kehrte aber, nachdem der Sturm vorüber war, nach Frankreich 
zurück und brachte zwei der alten Abteien, La Trappe und Aiguebelle, an 
sich, unter die er seine Mönche verteilte. Er selbst residierte in La Trappe. 
"' In der Smitrnerschen Siegelaammlung des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs zu Wien befindet 
sich der Abguß eines Siegels des Abtes Urban Paradisitz (1511), der unter einer Abtfigur ein Schildchen auf- 
weist, das einen Vogel (Papagei?), aber ohne Mauer, enthält. 
m" La Truppe : die Stiege, Ü! Treppe, also Notre Dame de 1a Trappe : Unsere Liebe Frau von der 
Himmelsstiege.
	        

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