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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

des Wajang golek (Abb. 4 und 5), eines Mario- 
nettenspiels aus holzgeschnitzten und prachtvoll 
kostümierten, vollplastischen Figuren, mit denen 
lange Melodramen, vor allem aus der Mahäbharata, 
aufgeführt werden. Der besondere Kopfschmuck 
der einzelnen Figur deutet ihren Rang an. Ihre 
lang herabhängenden Arme besitzen drei Glieder- 
gelenke, so daß sie durch die an den Händen 
ansitzenden langen Stäbchen von unten her aus- 
drucksvoll dirigiert werden könnemNeben dem voll- 
plastischen Wajang golek kommen auch Schatten- 
spiele, Wajang purwa, ferner aus flachem Büffel- 
leder geschnittene Puppenspiele mit reicher Be- 
malung und Vergoldung vor, und ähnliches mehrf" 
Gehen wir in das Bereich unserer eigenen 
Kulturentwicklung im Mittelmeerbecken über, so 
Finden sich auch bei den Ägyptern eine ganze 
Reihe von Spielsachen vor, ein Hampelmann, der 
eine Korn mahlende Sklavin darstellt, Krokodile 
mit beweglichem Rachen, und also auch Puppen." 
Sie sind entweder flach aus einem Holzbrettchen 
ausgeschnitten und bemalt in der Weise unserer 
Steckkissenkinder, stets aber mit langen Haaren 
versehen, oder auch plastisch vollrund geschnitzt 
und dann nackt (Abb. 6). Ob sie immer für Kinder 
bestimmt waren, kann allerdings nicht als sicher 
gelten, da auf einem Exem- 
plar eines solchen ägyp- 
tischen Puppenbabys der 
ersten Art Hieroglyphen 
zu sehen sind, die sonst 
Dämonen bezeichnen, und 
es weiterhin auch mög- 
lich ist, daß derlei nackte 
Mädchen, die als Grabbei- 
" Vergleiche]. Bohatlx, Dasjavani- 
sehe Drama (Wajang) in den Mit- 
teilungen der Anthropologischen Ge- 
sellschaft. Wien, 1905. S. 278 H. 
'"' Vergleiche Gardner Wilkinson, 
The Manners and Customs cf the 
ancient Egyptians. A new edition, 
revised and corrected by Samuel Birch. 
London 1878. Vol. II. p. 63-65. 
 
Abb. 5. Marionetten aus dem javani- 
sehen Wajang golek. Clownhafter 
Diener und Dämon. Anfang des XIX. 
jahrhunderts (Frankfurt am Main, 
Städtisches Völkermuseum) 
 
Abb. 6. Flache und plasti- 
sche Puppe (letzterer sind 
 
die Haare ausgegangen) 
(Ägypten, Altes Reich, Bri- 
tish Museum) 
Adolf Erman, Ägypten und ägypdsehes 
Leben im Altertum. Tübingen, 1885. 
I. Band. S. 235 f. 
Abb. 7. Terrakotra aus Böotien (Tana- 
gra). Weibliche Puppe, VIII. bis VII. 
Jahrhundert vor Christi (Paris, Louvre)
	        

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