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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

"I"! 
Mäßigkeit und Bescheidenheit 
mit ihren Attributen. 
Von den I-Iolzbildwerken 
erwähnen wir den bemalten 
Bildstock mit der Klosterneu- 
burger Schleierlegende - er- 
worben in Burgschleinitz - 
und die Standfigur eines seg- . 
nenden Christus aus Breiten- 
furth (Abb. 8). Kleinere Ar- 
beiten aus Holz, mehr bäuer- 
lichen Charakters sind in einem 
Glasschrank untergebracht; 
ebendort eine Auswahl guter 
Formen zur Herstellung von 
Feingebäck (Abb. g). 
Besonders reich und viel- 
seitig erscheint die keramische 
Abteilung der Sammlungen. 
Sie beginnt mit einer Reihe 
mittelalterlicher Gefäße. Dar- 
unter finden sich mehrere 
Exemplare der bei den Erd- 
aushebungen in Wien auf- 
tretenden Trinkbecher aus 
schwarzem, graphithaltigem 
Ton, VQn-atskfüge mit Seitlich Abb. 7. Prunkschrmk der Landstände Niederösterreichs, Gold- 
angebrachtemAusgußschnabel, Bemalung auf schwarzem Grund, aus dem jabre 1636 
topfartige Gefäße von Urnenform, eine frühe vierseitige schüsselförmige 
Ofenkachel aus Mödling und eine dreiseitige derartige Kachel aus Stillfried. 
Den kunstgewerblichen Arbeiten mittelalterlicher I-Iafnereien gehört eine 
Kachel mit Darstellung eines Fabeltieres und das hochinteressante Fragment 
eines ligural ausgestalteten Gefäßes an, von dem nur der Rumpf des Reiters, 
bekleidet mit dem großen Maschenpanzerhemd des XIII. Jahrhunderts, 
vorhanden ist. Eine grüne Tafelkachel mit der Figur der Justitia leitet 
die Renaissancekeramik ein (Abb. 10). Schöne Komposition, scharfe Pressung 
und reine Glasur stellen sie an die Spitze aller bisher bekannten gleich- 
zeitigen Arbeiten. Die Figur der Gerechtigkeit gibt die Plakette Peter 
Flötners aus der Folge der sieben stehenden Kardinaltugenden wieder, 
mit dessen Kunst das schöne Fruchtgehänge im Bogen des Portikus und 
die Maskenköpfe in den Zwickeln der Kachel übereinstimmen. Deshalb 
vermuten wir einen direkten Zusammenhang zwischen dem Modell zu dieser 
Kachel und dem großen Künstler der deutschen Renaissance. Aus St. Pölten 
stammt eine schwarz und rot glasierte Tonschiissel mit dem Christus- 
51'
	        

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