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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

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bemerkbar machen. Und nun heißt es tüchtig Atem und 
Geduld schöpfen, bevor man auf die Besichtigung der 
in 44 Sälen verteilten (über 3000 Nummern) Bilder und 
Zeichnungen übergeht. 
Die Riesenbilder in dem großen Mittelsaal sind 
gerade nicht diejenigen, welche den Titel und den 
Platz von Kunstwerken verdienen. Natürlich muß man 
sie bemerken. „Prairial" von Gorguet, Wiesen, Strauch- 
werk, allegorische Figuren und Gruppen. Nichts davon, 
was im Gedächtnis haftet, nachdem man daran vorbei- 
gegangen ist. Das zweitgrößte Stück „jeux floraux en 
1324" ist ganz genau im Stile und in der Manier dieser 
Zeit gehalten. Der Maler jean-Paul Laurens wird hiermit 
nicht ebensoviel Ruhm ernten, als diese Arbeit an 
Mühe darstellt. 
Das große militärisch-patriotische Bild von Scott 
„La chevauchee", eine Kavalleriecharge, der der Tod 
voranreitet, gehört zu den Eifektstücken für das große 
Publikum und erfüllt als solches im Salon auch seinen 
Zweck. Anziehend durch den Titel und das Sujet wirkt 
auch auf die Menge „Molieres Tod" von Emile Renard. 
Spanien ist heuer durch zwei vorzügliche Maler 
vertreten: Carlos Vasquez (mit einer Carmen zwischen 
zwei Gendarmen) und Maximo Caballero, dessen klei- 
ne historische 
Genrebilder in 
prunkvollen Interieurs und herrlichen Kostümen 
schwelgen. Zu den besten Bildern des Salons ge- 
hören die beiden meisterhaften Ölgemälde von 
Henri Martin. Eines davon, „L'Automne", habe 
ich bereits gelegentlich einer früheren Ausstellung 
bei Georges Petit besprochen. Das andere „Les 
Devideuses" (für eine Gobelintapisserie alsVorlage 
bestimmt) weist dieselben hervorragenden Eigen- 
schaften des Meisters auf. 
Eine Augenweide ist auch „Matinee de 
Septembre" von Paul Chabas in gelblich-grauem 
Licht über einem See. Darin die nackte Figur 
eines jener reizenden, halbwüchsigen, blonden 
Mädchen, wie man sie auf einigen berühmt ge- 
wordenen Bildern von Chabas findet. Dieses letzte 
Gemälde reiht sich würdig an die vorhergegan- 
genen Leistungen des Meisters und wird viel- 
fach der „Clou" des heurigen Salon genannt. 
Ein vorzügliches Porträt, ebenfalls von Chabas, 
Bildnis der Madame Aston Knight, konnte man 
schon im Winter in der Ausstellung des „Cercle 
artistique" bewundern. 
Die Porträte sind sehr zahlreich im „Salon 
des Artistes Francais", und zwar sind diesmal 
ganz besonders viele gute Männerporträte zu 
verzeichnen; zwei vorzügliche Bilder vonl-Iermann Abb. r 5. Frauenhaube aus der Ötschergegend 
 
Abb. x4. Fayencekrug mit 
Jagddarstellungen, XVIII. Jahrhundert 

	        

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