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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

bürgerlichen Hausindustrie, und 
auf dem Gebiet der praktischen 
Erfindungen ist manche später 
groß gewordene Industrie aus 
dem „Concours Lepine" hervor- 
gegangen. Die Abteilung für 
Spielwaren, Puppen und neue 
Spiele aller Art bietet am mei- 
sten Abwechslung und ist, vom 
kunstgewerblichen Standpunkt 
ausbetrachtet,ziemlichlehrreich. 
Diesmal haben sich auch be- 
kannte Künstler, wie zum Bei- 
spiel Gaston Sixnonin mit seinen 
köstlichen Szenen aus geschnitz- 
ten I-Iolziiguren, beteiligt. Manche 
grauenvolle Geschmacksverir- 
rungen haben den Charakter 
jener Kuriositäten, deren Ent- 
stehung und Zweck für ein ge- 
sundes Gehirn unbegreiflich blei- 
ben. Zum Beispiel eine Serie von 
„Kunstgegenständen" (um nicht 
zu sagen überflüssige Staub- 
fänger) aus Tausenden von 
gebrauchten Streichhölzern zu- 
sammengesetzt. Oder ein großes 
Bild, welches wie eine Sepia- 
arbeit aussieht und aus lauter 
Haaren und Haarabfallen ge- 
macht ist, welche mittels eines 
Klebstoffes auf der Leinwand befestigt sind. Es gibt noch viele solche Beweise von 
verschrobenem Fleiß und verkehrtem Kunstsinn, daneben aber auch recht gute Arbeiten 
von erfreulicher Naivetät, welche die Bezeichnung Volkskunst verdienen. 
Der rege Zuspruch, dessen sich der „Concours Lepine" erfreut, ist wohl auch darauf 
zurückzuführen, daB diese Veranstaltung von einer philanthropischen Idee für die Pariser 
Heimarbeiter ausging und der Gründer (Polizeipräfekt Lepine) eine äußerst populäre 
Persönlichkeit ist. 
Im Musee Galliera befindet sich gegenwärtig eine Ausstellung moderner Stickereien: 
„Exposition de la Broderie". 
Man kann sagen, daß die Handarbeit auf diesem Gebiet, trotz der kunstvollsten 
Imitationen mit der Maschine, immer mehr geschätzt wird. Besonders in Frankreich ist 
der Geschmack und die Vorliebe für feine Stickereien und kostbare Spitzen in stetem 
Zunehmen. In der genannten Stickereiausstellung finden wir einige der maßgebendsten 
Künstler für die moderne französische Richtung. Eine große, mit Seide auf gemaltem Grund 
gestickte Portiere ist vom Meister Lalique entworfen und stellt ein Walddickicht dar, in 
dem die Figur eines fliegenden Engels in den Baumkronen verschwimmt. 
Madame Ory Robin ist sehr stark vertreten, wir sehen hier fast alle Arbeiten wieder, 
welche schon bei verschiedenen andern Anlässen ausgestellt wurden. Ihre Kunst ist so 
eigenartig, dal] jedes einmal gesehene Stück leicht in der Erinnerung haftet. 
Nicht weniger künstlerisch, obwohl in ganz anderer Art, sind die Landschaften und 
ländlichen Szenen, ganz in Wolle mit langen Stichen gearbeitet, von Fernande Maillaud. 
 
Abb. zo. Fenster vom Palast der Babenhergerin Margaretbe, Gemahlin 
Ottokars von Böhmen, in Krems
	        

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