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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

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ursprünglichen Charakters entkleidet ist, stammt aus der Zeit von 1750 bis 1770. 
Daß französische Kunsthandwerker hieran einen hervorragenden Anteil 
hätten, ist durch nichts belegt und bei dem hohen Stande, welchen das Wiener 
Kunsthandwerk jener Tage vor allem durch die Bemühungen des Fürsten 
Kaunitz eingenommen hat, nicht vorauszusetzen. Kaunitz war es selbst, 
welcher die Arbeiten der kaiserlichen General-Hofbaudirektion als Direktor 
leitete, worüber viele Protokolle erhalten sind. Es kann keinem Zweifel 
unterliegen, daß die Boiserien, Stuckarbeiten, Vergoldungen Wiener Arbeit 
sind, wie wir ähnlichen Erzeugnissen 
des heimischen Kunstfieißes auch an 
andern Stellen reichlich begegnen. 
Die Stilwandlung vom Barock 
zum Rokoko hat sittengeschichtliche, 
soziale Gründe. Die Prachträume der 
Barocke, auch jene, welche vornehm- 
lich gesellschaftlichen Zwecken dien- 
ten, mit ihrer rein monumentalen Ge- 
staltung der Wände und Decken 
müssen wir uns leer in bezug auf 
ihre Ausstattung denken. Die höfische 
Sitte gestattete keine oder nur wenige 
Sitzmöbel in Räumen, in welchen man 
sich in Gegenwart der Majestät nicht 
setzen durfte. So mußte diesen Räumen 
jede Behaglichkeit und Intimität fehlen. 
Dazu kam die Aufhebung aller warmen 
Farbentöne in den Salons und sogar 
in den Boudoirs. Aber eigentümlich ist 
es, daß gerade die berühmte Marquise 
von Rambouillet, welche diese sozu- 
sagen rationalistische Richtung in der 
Farbengebung der französischen Salons Eckkästchen aus dem kaiserlichen Lustschloß 
so Sehr bevorzugte, als geistreiche Hetzendorf, Wien (Hofmohxliendepot) 
gesellige Dame und Freundin der Causerie im gesellschaftlichen Verkehr, 
als eigentliche Begründerin dessen, was wir den Salon nennen, doch nun 
auch wieder den Wunsch nach behaglicher Ausfüllung der leeren Räume 
zum Ausdruck brachte. So füllen sich Säle und Zimmer allmählich mit 
Möbeln, Vitrinen für Schmuck und Nippes, mit Metallgeräten aller Art, 
Vasen, Uhren, Plastiken und Bildern. Weiße Wände und Gold spielen eine 
bevorzugte Rolle, aber auch bunt in Seide gewebte Stoffe nehmen einen 
großen Platz ein und eingelegte Möbel mit Lack(vemis Martin), und reiche 
Holzverkleidungen, aus den kostbarsten Hölzern eingelegt, füllen die Räume, 
in welche sie Bewegung und Schwung bringen. Hatte schon die Barocke in 
ihrer wuchtigen Formensprache auf die Betonung bewegter Motive besonderes 

	        

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