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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

Gewicht gelegt, so löst sich jetzt das aus der Renaissance überlieferte 
architektonische Gesetz vollkommen auf. An die Stelle der wuchtigen 
Pilaster und Gesimse treten zierliche Leisten mit kühn und leicht geschwun- 
gener Führung naturalistischer Schnörkelbildungen. Schon die Barocke 
sucht ihre Motive aus der Welt der Blumen, aber die Architektur ist es 
noch immer, welche diese Formen in ihre Gesetze bannt. Jetzt umkleiden 
Blumenranken alles und gehen über das Rahrnenwerk hinüber und hinaus, 
umschlingen Stab und Leiste. Das Rokoko geht durchwegs in der Auffassung 
der Zeit und nach dem Sinne, den es in die Natur legt, von dieser aus; 
seine Formensprache mag uns heute unnatürlich erscheinen, sie war aber 
naturalistisch gemeint. In ihr spricht sich das Sehnen einer überfeinerten, 
ihrer selbst ungewiß gewordenen Epoche nach der Natur aus, wie es 
ja schließlich 
auch in der 
Dichtung der 
Fall ist und im 
Spiele, deren 
idyllische Nei- 
gungen den 
innerenWider- 
spruch gegen 
Überkultur 
und Gespreizt- 
heit des gesell- 
schaftlichen 
Lebens und des 
falschen Pa- 
thos der soge- 
nannten klas- 
sischen Dich- 
tung dokumen- 
tieren. Diese 
Stimmung der 
Zeit iindet in 
der revolutio- 
nären Sprache 
undAuffassung 
Rousseaus 
ihren vollendet- 
sten und drasti- 
schesten Aus- 
druck. Auch 
das österreichi- 
Aus dem Palais des Fürsten Paar in Wien SChB ROkOkO
	        

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