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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

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unter Maria Theresia kräftig entfaltete und einen lebhaften Verkehr mit 
Wien unterhielt. Das Preßburger Palatinalgebäude, vor allem aber das 
großzügige Schloß Esterhaza mit seinem berühmten Theater legen Zeugnis 
hiefür ab. . 
In den österreichischen Kronländern zeigt sich im Profanbau ebenfalls 
rege Tätigkeit, in Zahl und Art der Schöpfungen zwar nicht durchwegs den 
Leistungen der Zeit Karls VI. vergleichbar, aber immerhin voll Eigenart 
und starker Impulse. Relativ wenig besitzt Prag an Werken des Maria 
Theresianischen Stils, die Barocke war hier so tief eingewurzelt, daß das 
Rokoko nur langsam und spät eingreifen konnte und sehr bald wieder dem 
Zopfstil Platz machte. Dies zeigt sich schon in der Bevorzugung einfacher 
Fassaden wie am erzbischöflichen Palais, das bei aller Monumentalität doch 
stark zurücktritt hinter die wuchtigen Formen der Paläste Clam-Gallas, 
Troja, Kinsky. Sehr wirksam ist bei aller 
Sparsamkeit der angewendeten künstlerischen 
Mittel das Piaristenkollegium (1757-1766). 
Auch der Schloßbau Mährens steht vor- 
wiegend im Zeichen der Barocke. Allmählich 
treten bei den Fassaden von Um- und Neu- 
bauten an Stelle der Säulen Pilaster, wie in 
Buchlowitz (Berchtold) und Jarmeritz (Kau- 
nitz), schließlich nur Leistenteilungen als 
Vertikalgliederung, oft wird schon zu Beginn 
der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Fassade 
ganz glatt behandelt. Die Dachungen werden 
steil hinaufgezogen, Mansardendächer be- 
gegnen uns häufig. Schloß Budischau, dessen 
in der Art des Drentwett um 1730 gemalte 
Freskenzimmer schon Vorahnungen des Ro- 
koko zeigen, beginnt damit, Misliboiitz hat 
Leistenteilung und hohe Bedachung, Napajedl 
(1764) Mansarden und Quaderzeichnung an 
den Mauerecken, Wischenau (um dieselbe 
Zeit vollendet) nahezu glatte Fassade. Viele 
ältere, teils durch Brand zerstörte und sodann 
umgebaute Paläste erhalten in der Epoche 
Maria Theresias prachtvolle Neuausstattung 
wie die Kremsierer Residenz, deren Lehensaal 
1758 bis 1760 unter Fürstbischof Grafen von 
Egkh neu ausgestattet, deren Bibliothek 1770 
unter Fürstbischof Grafen von I-Iamilton durch 
den Brünner Maler Josef Stern mit Fresken 
geschmückt wird. Die gleichzeitige Neuge- 0M aus dem kaiserlichen Lustschloß 
staltung des großen Saales hat 70.000 Gulden Schönbrunn 
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