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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

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Zeit, sondern 
auch objektiv 
betrachtet als 
selbständige 
Kunstschöp- 
fungen von 
hohemWerte. 
Hierbei ist da- 
ran zu erin- 
nern, worauf 
schon Ilg auf- 
merksam ge- 
macht hat, 
daß Raphael 
Donner, der 
der Zeit nach 
ganz derSpät- 
barocke ange- 
hört, in zahlreichen seiner Arbeiten, wie in den Brunnenliguren auf dem 
Neuen Markte, als Vorläufer und Bahnbrecher des Klassizismus zu betrachten 
ist, und wir sehen einen eigentümlichen Kreislauf der Ideen, wenn wir uns 
daran erinnern, daß Raphael Donner während seines Preßburger Aufent- 
haltes auf Adam Friedrich Oeser, dieser später in Dresden und Leipzig auf 
Goethe und Winckelmann eingewirkt hat, mit welch letzterem er, obwohl 
er in seinen eigenen künstlerischen Arbeiten dem Rokoko immer treu bleibt, 
einer der feurigsten Vorkämpfer einer Reform von Bildung und Kunst auf 
klassischer Grundlage geworden ist. Die Donnersche Tradition setzt aber 
in der Josefinischen Zeit tiefgründiger und bedeutungsvoller als der Kreis 
der Schönbrunner Plastiker Fr. X. Messerschmidt in dem wundervollen 
Wandbrunnen des Savoyenschen Damenstiftes fort, das zwischen 1770 und 
r78o entstanden ist. 
Gewaltig verändert sich in der Josel-inischen Epoche das Wiener 
Stadtbild, aber nach anderer Richtung und auf Grund ganz anderer Auf- 
gaben, als sie in der Barockzeit gestellt waren. Längst war der Neu- und 
Umbau der Kirchen Wiens abgeschlossen, worin die Barocke ihre Mission 
so glänzend gelöst hatte. Nur in den an Bevölkerung stetig zunehmenden 
Vorortegemeinden, wo unter Kaiser Josef Industrie und Gewerbefleiß empor- 
blühten, werden unter seiner Regierung Kirchen, aber nicht Prunkkirchen, 
sondern Notkirchen errichtet, wie Sankt Laurenz auf dem Schottenfelde und 
Sankt Ägydi in Gumpendorf, welche klassizistische Motive schüchtern betonen. 
In der Inneren Stadt wird kurz nach Josefs Tode die Fassade der Michaeler- 
kirche von I-Iohenberg in klassizistische Form gebracht, deren Vorbau 
jedoch mit seinen berühmten Plastiken von Mattielli schon zwei Menschen- 
alter früher errichtet worden war. 
 
Platte von IgnazjosefWürth 177g bis 1780, aus dem Tafelsilber des Erzherzog: Friedrich
	        

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