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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

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technisch und wirtschaftlich zu heben. Die Förderung der Textilindustrie 
wurde durch weitreichende Zollerleichterungen begünstigt, und wir sehen 
gerade in der joselinischen Zeit jene zahlreichen Betriebe der Weberei und 
Wirkerei auf dem Schottenfeld erblühen, welche dann, wie zum Beispiel 
die Fabriken der Gebrüder Mestrozzi, deren Mustersammlung das Öster- 
reichische Museum besitzt, zu Ende des XVIII. und in den ersten Dezennien 
des XIX. Jahrhunderts zu reicher Entfaltung gelangten. r78g ließ Kaiser 
Josef sechzig Uhrmacherfamilien aus der Schweiz nach Wien kommen, 
welche in dem aufgehobenen Piaristenkloster auf der Wieden eine Fabrik 
begründeten und auch nach deren Auflösung weiter arbeitend das Wiener 
Uhrmachergewerbe technisch und auch künstlerisch auf neue Grundlagen 
stellten. Durch die im Einvernehmen mit Kaiser Josef durch Kaunitz erfolgte 
Verbindung der Manufaktur- und der metallischen Schulen mit der Akademie 
wurden weite Kreise der hier vereinigten heranwachsenden Gesellenschaft mit 
künstlerischen Ideen auf handwerklicher Grundlage erfüllt. Die neuen joseii- 
nischen Zunftordnungen für Baumeister und Goldschmiede, nach welchen 
diese nunmehr ihre Meisterprüfungen an der Akademie abzulegen hatten, 
verhießen Verbreiterung und Ver- 
tiefung künstlerisch-technischer 
Bildung in diesen Kreisen. Wie 
schon der alte Domanöck unter 
Maria Theresia, so liefert nun 
Hagenauer, der treHliche Pla- 
stiker im großen und kleinen, 
zahlreiche Entwürfe für das 
Kunstgewerbe. Die in der Biblio- 
thek der Akademie in großer 
Zahl aufbewahrten Aufnahms- 
stücke und Prüfungsarbeiten der 
Meister und Gesellen beweisen 
die Durchdringung des Kunst- 
handwerkes mit den Ideen der 
neuen Zeit. Von Hagenauer be- 
sitzt diese Sammlung nicht nur 
die Entwürfe zu den Steinvasen 
für den Schönbrunner Park, son- 
dern auch zahlreiche Entwürfe 
für Prunkwagen, Gürtlerarbeiten, 
Schmuck und vor allem für Sil- 
bergeräte in höchst merkwürdiger, 
_ edler Formgebung, von denen 
.0 mehrere hier zum ersten Male 
Deckelgefäß, Entwurf von Johann Hagenauer (Bibliothek  Werdelm Kein wunder: 
der u. k. Akademie der bildenden Künste an Wien) daß die Gold- und Silberschmiede- 

	        

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