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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

Wie Baluschek und Sandrock Lokomotiven in ihrer düsteren Kräftepracht auffassen, 
in ihrer Muskulatur, in ihren dräuenden Nüstern, das hat etwas Lebendiges. Es sind die 
Ungeheuer eines modernen Mythos. Und man denkt dabei an Huysmans, der sie in „A 
Rebours" als wilde Weiberwesen empfand und eine, die „Enger-th" der Gare du Nord, so 
besang: „Eine monumentale dunkle Brünette mit dumpfen rauhen Tönen, mit stämmigen 
Lenden, eingepreßt in ihren gußeisernen Panzer, einunfönniges Wesen mit wilder Mähne 
schwarzen Rauches und mit sechs niedrig gepaarten Rädern; welche erdrückende Macht 
wenn unter ihr die Erde erzittert". 
Und rotgliihend in der Finsternis, ein Inferno, der Dampfhammer von Carlos Grethe. 
Gegen dies Nachtstück die Dreschmaschine von Gotzmann-Conrad im gelben Korn 
in einer hitzig schwelenden geilen Sommerluft, sengend von Helle. 
Hochöfen und Hütten locken. Das Stahlwerk von Heyenbrock wirkt voll unter- 
irdischen Gewimmels mit Hämmern und Schürfen und glühenden Kratern. An die Nibe- 
lungenszene in „Rheingold" denkt man und hört das Motiv voll Schleppens, Trappens und 
Klirrens der Erze. Im Hochofen von Paulus ist der malerische Effekt die changierende 
Sinfonie der Rauchwolken, aus denen wie Festungsgebirge die Bauten anfragen. Und 
in Brachts Muldenhütte bei Freiberg weht der Rauch aus den Schornsteinen über den 
Halden, horizontal gestreckt gleich Fahnentüchem an der Stange. 
Phantastik im Wirklichen hat Fritz Gärtners Wintermorgen im Gußstahlwerk im 
kalten Blau, durch das gelb prasselnde Lichtsonnen ihre Strahlen schießen. Hier dröhnt 
etwas von den apokalyptischen Großstadtgesichtern Verhaerens. 
Walter Klemm liebt die Impressionen tiefgähnender Bahnhofshallen die wie Schluch- 
ten sich im Hintergrund verlieren, und vorn leuchtet weiß die Schneestrecke mit Arbeitern 
in blauen Kitteln und die Maschen eiserner Brücken ergeben durch ihr Geflecht pikant 
geschnittene und craquelierte Durchblicke. 
Viele zieht's zu den Häfen. Der Hamburger ist wohl am öftesten umworben worden. 
Hier außer durch Nolde (freilich könnte diese Marine auch irgendwo anders sich begeben) 
noch durch Kalckreuth und Ullrich Hübner. 
Mannheim aus der Seestadtperspektive erscheint durch Rud. Hellwag mit Bach- 
breiten Schiffsleibern in opalenem Grau. 
Die Aviaük fehlt in diesem bildnerischen Epos von Kraft und Stoff nicht. Paul 
Paeschke hält, etwas illustrativ freilich. den Flugplatz in Johannestal fest, und Baluschek 
bannt mit Schwarzkunst die geballten Formen des Luftschiffes, das wie eine trächtige 
Wolke über einer Brücke lastend schwebt. 
An diesen Stätten der Arbeit spielen die Maschinen eine größere Rolle als die 
Menschen. Und eigentlich nur einen lockte die Aufgabe, den arbeitenden Menschenkörper 
als Hauptstoif und Inhalt der Darstellung zu nehmen. Das ist Robert Sterl. 
In seiner Steinklopferin an brennender Felsenwand von der rötlichgelben Farbe des 
Löwenfells - in Griechenland sieht man solche Bergflanken - gibt er die zusammen- 
geduckte Masse eines Körpers, von Anstrengung angespannt wie ein gekrümmter Bogen; 
und in den Steinbrechem, fünf, Schulter an Schulter zusammengeschweißte Gestalten mit 
langragenden Eisen, wippend und wuchtend von der Gewalt mächtigen Anstemmens. 
Auch dies in gelbrotem Licht. 
Und hier, an diesen Leibem, bewegt von gleichmäßiger Funktion der Kräfteleistung, 
wird ein Thema anschaulich verdichtet, das man in dieser Ausstellung nicht vermissen 
durfte: das Thema von Arbeit und Rhythmus. Felix Poppenberg 
ERLIN. VERSTEIGERUNG DER SAMMLUNG LIPPMANN. Am 26. 
und 27. November findet in Berlin bei Rudolf Lepke die Versteigerung des Kunst- 
besitzes statt, mit welchem der im Herbst x9o3 verstorbene Direktor des Berliner König- 
lichen Kupferstichkabinetts Dr. Friedrich Lippmann sich in seinem Heim umgeben hatte. 
Den Kunstfreunden ist dieser zwar nicht umfangreiche, aber hinsichtlich der Qualität sehr 
n.
	        

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