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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)

demTempel, die Brotvermehrung und die Erweckung des Lazarus auf 
den Innenseiten der Außenfiügel in Betracht. In ihnen spricht sich die 
Eigenart Friedrich Pachers am charakteristischesten in ihrer Beziehung zu 
dem Freisinger signierten Bild aus. 
Man wird aber auch noch die vier Bilder aus dem Leben Christi auf 
den Außenseiten der Innenflügel ä die Versuchung, die Hochzeit zu Kana 
(Abb. 17), die Vertreibung der Wechsler und Christus und die Ehebrecherin 
- in den Bereich Friedrich Pachers ziehen dürfen, wenngleich der alle und 
alles beherrschende Einfiuß Michael Pachers hier noch stärker nachklingt. 
Wo und inwieweit freilich das eigene Schaffen und Können der beiden sich 
gegen einander abgrenzt, wird sich immer nur als Vermutung aussprechen 
lassen. Jedenfalls aber stehen diese letztgenannten Szenen aus dem Leben 
Christi den vier andern mit ihnen sich zu gleicher Zeit zur Schau bieten- 
den Christusszenen kompositionell - vor allem in der Stellung der Figuren 
zum Raum 7 entschieden näher als die vier Szenen auf den Innenseiten 
der Innenflügel." Man wird demnach auch sie zum Vergleich heranziehen 
können, wo die vier andern Christusszenen nicht geeignete Vergleichs- 
momente bieten. Dies gilt zunächst für den einzigen Innenraum, den der 
Tiberiaszyklus aufweist, auf dem Bilde der Heilung des Paulus durch 
Ananias. Er findet in dem Bilde der Hochzeit zu Kana eine absolute 
Parallele, die wir sogar, nach Maßgabe der Photographie, auf die völlig 
gleiche Lichtführung beider Kompositionen ausdehnen dürfen. In beiden 
Fällen blicken wir in eine gotisch gewölbte Burartige Halle mit denselben 
architektonischen Verhältnissen und der gleichen perspektivischen Ver- 
tiefung. Außerdem gliedert sich beide Male hier seitwärts, dort rückwärts 
ein flachgedeckter Raum an. Besonders bezeichnend aber ist das Motiv der 
offenen Bogenstellung rechts, durch die in beiden Fällen das neugierige 
Volk den wunderbaren Vorgang im Innenraum von draußen aus verfolgt. 
Die I-Iaupthandlung selbst ist beide Male in der für die Schule allgemein 
bezeichnenden Weise ganz an den Vorderrand des Bildes geschoben." 
Auch die Landschaften auf den Tiberiasbildem g Petri Gang über das 
Wasser, Kreuzigung Petri, Blendung des Saulus - gemahnen in ihren 
einzelnen Requisiten. namentlich der Felsenbildung und dem floralen Mi- 
krokosmus des Vordergrundes an jene auf der Taufe Christi w" und der 
Speisung der Fünftausendj- Auf dem Bilde der Enthauptung in Tiberias 
treffen wir auch jene in der Pacher-Schule beliebten, einsamen italienisie- 
renden Statisten im I-Iintergrunde, ganz ähnlich wie bei der Brotver- 
mehrung des Hochaltars in St. Wolfgang. 
Nicht weniger erkennen wir aber auch noch die enge Verwandtschaft 
beider Zyklen in der Auffassung und Behandlung der menschlichen Figur. 
' „weitgehende Entwürfe" Michael Pachers für die Außenseite der Innenßügel anzunehmen, wie 
Mnnnowski a. a. O. S. 7x meint, halte ich nicht für angängig, wohl aber ganz allgemeine Anordnungen. 
"' Mannowski, Taf. 36, W015, Taf. 4B. 
"W Mannowski, Taf. 44 Ä WoliT, Taf. 46. 
T Mannowski, Taf. 46 - Wolff, Taf. 49.
	        

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