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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)

der Anschauung Stiaßnys kann das Jahr 1464 feststehend als das Ent- 
stehungsdatum für diesen Altar angenommen werdenf" und gerade die 
Tiberiasbilder sind geeignet, diese Annahme zu erhärten. In der engbrüsti- 
gen Komposition der Flügelbilder des Katharinenaltars haben wir die un- 
mittelbaren Vorläufer der Peter- und Paulsszenen. Es genügt, die Flucht 
Petri mit der Disputation der heiligen Katharina zu vergleichen und gerade 
auch diesem letzten Bild das Gehäufe der Köpfe auf dem Abschied der 
Apostelfiirsten oder der Enthauptung Pauli gegenüberzuhalten. Das Ver- 
hältnis der Personen zum Innenraum, wie es das Ananiasbild gibt, ist in den 
Bildern „Die heilige Katharina verwirft den Götzendienst" und „Die Geiße- 
lung der heiligen Katharina" vorgezeichnet und die Innenräume selbst weisen 
in ihrer architektonischen Gestaltung und andern Einzelheiten direkte Be- 
ziehungen zueinander auf. So ist die Geißelsäule der Heiligen vollständig 
gleich den Säulen auf der Ananiasszene, deren offene Bogenstellung rechts 
mit ihren dürftigen Quergurten bei dern Gemälde „St. Katharina vor Maxen- 
tius" wiederklingt. Selbst für die farbige Behandlung und Wiedergabe der 
Innenräume finden wir eine Analogie zwischen beiden Zyklen. Die Halle 
des Judas auf dem Gemälde der Heilung des Paulus mit ihren marmorierten 
Bodenfliesen und den gleichfalls marmorierten Säulen, dann die in zweierlei 
Marmorierung gegeneinander absetzenden Werkstücke der Bogen ent- 
sprechen durchaus den korrespondierenden Architekturteilen auf dem Bilde 
der Götzenverleugnung und der 
Geißelung der heiligen Katharina. 
Auch in den Figuren, in Stellung, 
Bewegung und Gesten und nicht 
zuletzt in den Typen und der 
Gesichtsbildung berühren sich 
die beiden Altarwerke aufs eng- 
ste. Man vergleiche nur die 
Stellung des Kaisers Maxentius f 
Götzenverleugnung - mit der des 
einen Reichgewappneten auf dem 
Bilde der Kreuzigung Petri. das 
uns zugleich in dem erregten Ge- 
sicht des anderen Gewappneten 
mit der scharf gebogenen, über- 
hängenden Nase, noch dazu in 
der auffallenden Schrägstellung 
des Kopfes, das direkte Ebenbild 
des Maxentius gibt. Selbst den 
heiligen Paulus auf dem Ab- 
schiedsbilde der Apostel könnte 
Abb. 2x. Geißelung der heiligen Katharina, Tafelgemälde in man noch heranzlehen- Der 
Neustifl bei Brixen ' Hans Semper, a. a. 0., S. 226. 

	        

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