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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)

Katharinentyp mit der gewölbten 
Stirn, den vollen Wangen, dem 
rundlichen Kinn, und dem spitzen 
Mund entspricht vollkommen der 
einzigen weiblichen Figur des 
Peter- und Paulsaltars, der Maria 
auf der Rückseite der Mitteltafel. 
Man stelle dann etwa den Be- 
gleiter des Kaisers Maxentius auf 
dem Hauptbilde, der Enthauptung 
der Heiligen, neben den Judas des 
Ananiasbildes. Kostüm, Haltung, 
und vor allem die Schrittstellung, 
decken sich bis auf wenige Li- 
nien. Am auffallendsten vielleicht 
tritt die Zusammengehörigkeit 
beider Altarwerke in den bis zum 
äußersten verkürzten Köpfen zu- 
tage, wie sie sowohl der unter 
dem Rade liegende Henker auf 
dem Bilde der Enthauptung der 
heiligen Katharina als auch der 
mittlere Auferstehende auf dem jüngsten Gerichte auf Tratzberg zeigt, 
ferner in der langlingerigen Bildung der Hände und ihrer steifen Gespreiztheit, 
wie sie einesteils auf dem Bilde des Götzendienstes des Maxentius bei Ma- 
xenüus selbst und der heiligen Katharina, andernteils auf der Szene der 
Flucht Petri bei dem Apostel selbst und seinem Begleiter am meisten zu 
einem Vergleiche locken. Bei der Maria auf dem Tratzberger jüngsten 
Gericht erneut sich das Widerspiel beider Hände der heiligen Katharina 
auf dem eben erwähnten Bilde unmittelbar im Gegensinne. 
Gegenüber den Flügelbildern des Katharinenaltars erscheint das 
Hauptbild des Martyriums der Heiligen großzügiger, weiträumiger und 
freier und auch von größerer künstlerischer Sorgfalt, so daß Sempers An- 
schauung, jene seien nach Entwürfen des Meisters von einer oder mehreren 
Gesellenhänden ausgeführt, eine gewisse Berechtigung hat. Überzeugt 
hat mich Semper jedoch keineswegs. Es begegnet häufig genug auf mittel- 
alterlichen Altarwerken, daß die Flügelszenen vernachlässigt wurden, 
und ein gut Teil der kompositionell glücklicheren Wirkung des Haupt- 
bildes scheint mir, ähnlich wie bei dem Verhältnis der Tratzberger 
Apostel zu den Tiberiasbildern, in den größeren Abmessungen der Tafeln 
und der dadurch bedingten Möglichkeit größerer Raumentfaltung begründet 
zu sein}: 
 
Abb. 22. Die heilige Katharina im Gefängnis 
' Über die enge Verwandtschaft des Hauptbildes des Katharinenaltars zu der Freisinger Taufe Christ i 
vgl. Semper, a. a. 0., S. 242.
	        

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