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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)

Geburt Christi in St. Wolfgang f und dem Relief des Grieser Altars H: wesent- 
lich unterscheidet, veranschaulicht. Die jubilierende Engelgruppe am Gebälke 
des Stalls erinnert lebhaft an die Komposition der die Leiche der heiligen 
Katharina zum Sinai tragenden Engel. Eine irgend zwingende Ahnlichkeit 
der figuralen Anordnung des Mitter-Olanger Gemäldes zur Grieser Relieftafel 
der heiligen drei Könige kann ich nicht finden, um so mehr aber in der 
steifrückigen, stark vomeigenden Haltung des knienden Königs mit dem hei- 
ligen Johannes auf dem Bilde der Taufe Christi in Freising und in dem 
Faltenwurf des greisen Königs mit dem Gewand Pauli auf dessen Martyrium 
und jenem des im Wasser untersinkenden Petrus in Tiberias. 
Der Friedrich Facher-Richtung im weiteren Sinne schließt sich im 
allgemeinen auch der Barbaraaltar in Neustift an. Bei aller Verwandtschaft 
in der Komposition, in der Landschaft und in der starken plastischen Her- 
ausarbeitung der Haupttiguren möchte ich ihn aber doch auf Grund der 
veränderten Körperverhältnisse, denen gegenüber vor allem die Köpfe zu 
groß geraten sind, etwas weiter von dem Katharinenaltar rücken. """' Mit 
diesem Barbaraaltar und nicht mit dem künstlerisch entschieden bedeuten- 
deren Katharinenaltar scheinen mir - entgegen Sempers Anschauung Z 
die verschollenen Tafeln mit acht Heiligen aus Brixen in Beziehung zu 
stehen, die durch die gleichen zu großen Köpfe auffallen und die harte 
Modellierung noch übertreiben. I-Iieher gehört ferner der obere rechtsseitige 
„Magdalenenaltar in St. Korbinian im Pustertalrl- In dem Mittelbild der Ver- 
klärung der heiligen Magdalena mögen die Engel noch mehr für Friedrich 
Pachers Art _ Martyrium der heiligen Katharina und Taufe Christi - 
sprechen, ebenso die Landschaft, um so mehr aber weisen die Flügelbilder auf 
die Richtung des Meisters vom Neustifter Barbaraaltar. Und noch inniger 
scheint der Zusammenhang mit diesem Altar gegeben in dem unteren 
Altar der linken Seite des gleichen Kirchleins. Stiaßny bemerkt mit Recht, 
daß in der heiligen Helena dieses Altars der Neustifter Barbaratypus nahezu 
unverändert herübergenommen worden seixH- Die Gemälde auf den Innen- 
seiten der Flügel, Szenen aus der Geschichte St. Justinas und St. Cyprians 
darstellend, sind vielleicht etwas weniger fein und sorgfältig durchgeführt, 
schließen sich aber sonst aufs engste dem Magdalenen- und damit auch dem 
Barbaraaltar an. Die heilige Justina, auf dem Gemälde ihrer Aufnahme in 
die christliche Gemeinde, zeigt unter anderem genau denselben konkaven 
Nasenrücken wie die heilige Barbara auf der Enthauptung. 
In diesem Zusammenhang beanspruchen noch die drei Tafeln mit 
der Madonna, dem heiligen Nikolaus und dem heiligen johannes Evan- 
gelista im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eine flüchtige 
"' Mannowski, Taf. 1 - Wolff, Tnf. 34. 
'" W015, Taf. 6. 
""' Ich schließe mich hier der Anschauung Stiaßnys (Repenorium für Kunstwissenschaft, XXVI [rgog], 
S. 25) an. 
1' Semper, a. a. O. S. 254, H. 
"H Stiaßny, Wolfgang Aßlinger, Simon von Taislen und der Heiligeubluter Altar in den „Mitteilungen 
der k. k. Zenrralkommission", III. Folge. III. Bd. (1904) S. 73.
	        

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