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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)

in einem der folgenden Räume gewahrt. Am wenigsten Zustimmung unter 
den Werken Mehoffers Findet wohl der große Karton für eine Glaskuppel 
der armenischen Kathedrale zu Lemberg, die Dreieinigkeit darstellend. 
In der Tat ist dieser Darstellung für unser Gefühl viel Befremdliches 
eigen; vom rein künstlerischen Standpunkt aus wird man aber sofort 
zugeben, daß sie etwas Rassig-Polnisches an sich hat. Und was die 
religiöse Stimmung betrifft, dürfen wir wohl darauf hinweisen, daß dem 
Empfinden östlicher Völker eben das Farbenglühende, Strahlende den 
Eindruck des Göttlichen in höherem Grade zu vermitteln scheint als etwa 
uns. Wir glauben nicht, daß der typische Osteuropäer oder Orientale die 
psychologische Feinheit eines Führich voll würdigen wird, aber diese 
rauschenden Akkorde werden ihn hinzu- 
reißen vermögen und über manches hin- 
wegsehen lassen, was uns vielleicht stört. 
Weit mehr Verständnis scheint bei 
uns der Entwurf Mehoffers für die Aus- 
schmückung der Kapelle auf dem Kahlen- 
berge gefunden zu haben. Die Kapelle, die 
hier in Frage kommt, liegt rechts neben 
dem Chor der Kirche; in ihr hat nach der 
Überlieferung Marco d'Aviano den Füh- 
rern des Entsatzheeres am Morgen des 
Tages der Befreiung Wiens von den Tür- 
ken (am 12.September 1683) die heilige 
Kommunion erteilt. Diese Szene ist hier 
dargestellt. In der Komposition scheint 
uns die sogenannte Historienmalerei sehr 
glücklich vermieden; das Ereignis ist, 
wenn wir so sagen dürfen, ins Typische 
und Ewige erhoben. Durch die thronende 
Madonna in den Wolken und durch das 
ganze Raumverhältnis dieser Gruppe zur 
unteren erhält man den Eindruck einer 
im Ratschlusse Gottes liegenden Tat, de- 
ren mehr zufällige Vollstrecker unten dar- 
gestellt sind und von einer Ahnung des 
Großen erfüllt scheinen. Zu diesem Vi- 
sionären der Darstellung stimmt auch die 
zarte, fast hingehauchte Farbe, die zu- 
gleich dem Charakter des Freskos und 
vor allem dem beschränkten Raume ent- 
spricht; kräftigere Töne hätten hier eher 
bedrückend gewirkt. In einem kleinen 
Ausstellung für kirchliche Kunst. Pluviale, Stoff 
entworfen von Stanislav Langr, ausgeführt von 
Johann Backhausen und Söhne in Wien Oktogon, das zum nächsten größeren
	        

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