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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 140)

die hohe Eigenständigkeit und geniale Un- 
iflußbarkeit seines Künstlers herauszustel- 
Obwohl auch Steinbart immer wieder die 
ilder für Figuren und Kompositionen zu Liss' 
rn erkannte, abbildete und daraus Schlüsse 
gab er den Übernahmen insofern eine ge- 
t Beiläufigkeit, als Liss in seiner Sicht die 
:len Vorbilder im optischen Gedächtnis spei- 
e und diese erst später, gleichsam unbe- 
,verwandell und als eigene Schöpfungen in 
n Bildern auftauchen. Dach kann es, zumal 
Qang von Liss als eines bedeutenden Ma- 
und starken Anregers nicht nur für die 
che Kunst, sondern ebenso für die seiner 
lheimat Venedig und der Niederlande an- 
tttl ist, nicht darum gehen, seine Malerei in 
iremden Umgebung zu isolieren; vielmehr 
es, sein Werk, entstanden im Austausch mit 
n damals wie heute hochgeschätzten Zeit- 
ssen, zu verfolgen und zu dokumentieren. 
vor allem ist von Wichtigkeit und verdient, 
meiner als es bisher der Fall ist, bekannt- 
icht zu werden: Daß es während des Barock 
Elsheimer und vor Schönfeld und Loth einen 
tren deutschen Maler gegeben hat, dessen 
:e über alle Ländergrenzen hinaus geschätzt 
zls vorbildlich angesehen wurden,wie öffent- 
ehrenvolle Aufträge, z. B. das Altarbild 
Niccolo da Tolentino in Venedig, „Inspira- 
Jes hl. Hieronymus" und die Vielzahl von ei- 
iindigen Wiederholungen seiner Bilder zei- 
Nichtig ist diese Tatsache aus zwei Gründen: 
liegt eine zusätzliche Erklärung für den be- 
reits im späten 17. Jahrhundert einsetzenden 
großen Aufschwung deutscher Kunst, der nicht 
aus dem Nichts heraus entstand und nicht von 
ausländischen Vorbildern allein abhängig war: 
Eine Großväter- und Vätergeneration von ge- 
achteten Malern deutscher Herkunft hat es ge- 
geben, auf die sich die Künstler berufen konnten 
und auf die auch konkret zurückgegriffen wurde, 
wie die Aufnahmen von Motiven nach Elsheimer 
und Liss sowie die Kopien nach ihren Werken 
zeigen. Denn so endgültig wie die durch frühe 
Todesfälle abgebrochenen Lebensläufe des Els- 
heimers und Liss' anzuzeigen scheinen, waren 
die Aufenthalte deutscher und niederländischer 
Künstler in Italien nicht: Den fast selbstver- 
stündlichen Studienreisen nach ltalien folgten 
kürzere oder längere Aufenthalte dort; doch 
erst nach 18 Jahren kehrte Schönfeld zurück, 
Rottenhammer blieb 17 Jahre dort, so daß nicht 
auszuschließen ist, daß auch Liss früher oder 
später zurückgekehrt wäre. 
Außerdem mag diese Beschäftigung mit den all- 
gemein anerkannten Künstlern, die in Italien mit 
Erfolg tätig waren und die z. T. nur durch ihr 
Ansehen in den Gastländern der durch die Um- 
orientierung deutschen Geistes im 19. Jahrhun- 
dert hervorgerufenen Vergessenheit entgingen, 
auch zurück- oder weiterwirken auf die Kunst 
des Barock in Deutschland selbst, so daß die 
meist noch in erschreckender Weise unbearbei- 
teten Künstler und Kunstwerkstätten deutscher 
Zentren allmählich wissenschaftlich erforscht wer- 
den und damit das Bild des l7. Jahrhunderts in 
Deutschland, das bisher so einseitig von dem 
Andenken an den Dreißigiährigen Krieg ge- 
prägt ist, etwas differenzierter wird. Exempla- 
risch für die Unkenntnis und das mangelnde ln- 
teresse an deutschen Künstlern des "I7. Jahr- 
hunderts ist das Beispiel der herausragenden 
Malererscheinung Joachim von Sandrart, über 
den es eine Reihe von Aufsätzen und ein-e Dis- 
sertation, doch keine zusammenfassende Mono- 
graphie mit guten Abbildungen gibt, keine Dar- 
stellung seiner Stilentwicklung. 
Diesem Ziel, der Bearbeitung der deutschen 
Kunst des Barock Grundlage und Anregung zu 
geben, dem die Deutsche Barockgalerie ihre 
Entstehung verdankt und dem auch ihre Erwer- 
bungsabsichten gelten, ist die Johann-Liss-Aus- 
stellung gewidmet. 
Da die Kunst des Barock und Rokoko im allge- 
meinen ein internationaler Stil ist, der nachhal- 
tiger als ieder andere mit Ausnahme der Gotik 
aus der Vermischung verschiedener Einflüsse 
entstand und sich weiterentwickelte, und die 
deutsche Kunst der Zeit im besonderen beein- 
flußt wurde von den angrenzenden Staaten, ist 
die Beschäftigung mit Liss besonders lohnend, 
da in seinem Werk vielfältige Einflüsse verar- 
beitet sind. Dennoch behält er - bewirkt viel- 
leicht durch die von Sandrart bezeugle Sponta- 
neität beim Malen - einen so persönlichen Stil 
bei, daß um eine kleine Anzahl traditionsgemäß 
ihm zugeschriebener Werke außerordentlich fol- 
gerichtig das ietzt etwa 45 Bilder starke Werk 
gruppiert werden konnte; dies, obwohl die The-
	        

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