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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 12)

sonst nirgends an Geschützen der gleichen Zeit vor, wie gerade das Zeug- 
buch Karls V. belegt. "' Man bediente sich vielmehr noch vielfach gotisch- 
architektonischer Zierformen, wie Friesen mit Maßwerk oder Dreiblattbogen, 
Blatt- oder Lilienreihungen, und in etwas vorgeschrittener Zeit ausge- 
sprochener Renaissancemotive, wie Akanthusranken mit Delphinen, mensch- 
licher Halbfiguren etc. Sollte es da nun ein bloßer Zufall sein, daß das 
Wolken- und Flammenmotiv genau in der gleichen Form an dem Brunnen 
in St. Wolfgang auftritt, nämlich an der Untersicht der Schale, wo es, radial 
angeordnet, wie eine große Sonne wirkt (Abb. 14). Eine gewisse Verwandt- 
schaft scheint mir ferner noch zu bestehen zwischen den Umrahmungen der 
Wappen der Säule des Brunnens in St. Wolfgang und der Ornamentierung 
der Henkel an dem „Löwen". Diese erscheinen mit den von Laubkelchen 
umsäumten Kugelfrüchten als vollplastische Übersetzungen jener Rahmen. 
Auch die Maskarons der Brunnenrohre am Brunnen kehren, soweit die 
Zeichnungen einen Vergleich zugestehen, in ganz verwandter Weise an den 
Fratzen der Geschützbodenstücke wieder. 
Dürfen wir nun auch den letztgenannten Vergleichsmomenten mit 
Rücksicht auf das häufige Vorkommen verwandter Motive um diese Zeit 
weniger Bedeutung beimessen, so bleibt doch hinsichtlich des Wolken- und 
Strahlenmotivs der enge stilistische Zusammenhang zwischen den Ge- 
schützen und dem Brunnen bestehen, der noch durch die Signierung dieser 
Werke verbürgt ist. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, im Gegenteil sogar 
sicher anzunehmen, daß unter den 131 Geschützen, die Karl V. „Von Chur- 
fürst Johanns Friderico von Saxen und aus Gotha" laut dem Titel der 
Gothaer Handschrift an sich nahm, noch manches Stück von der Hand Peter 
Mülichs war. Sichere Anhaltspunkte, vor allem weitere Meisterinschriften 
fehlen jedoch. Immerhin wäre ich geneigt, nach der allgemeinen Anordnung 
der Dekoration noch bei drei oder vier Stücken auf Peter Mülich zu schließen, 
so bei Fol. 13 a, wo die Inschrift: ,.Ich pyen der wylde drack genannt 1526" 
in der Schreibweise und Verteilung ganz jener des „Basilisken" entspricht. 
Ferner bei einem ungetauften und undatierten Geschütz (F01. 10a), das als 
l-Iauptzier einen Löwen zeigt, der, nach der Erzählung des Physiologus, 
durch Anbrüllen seine totgeborenen Jungen zum Leben erweckt, und bei 
F01. 11 b und 16b, beide Geschütze von 1534 darstellend. Vielleicht dürfen 
wir auch bei einem nur mit profilierten Reifen dekorierten Stück (F01. g a) 
von 1531 die nebenstehende Marke den pro Zentner ausbezahlt 
auf Peter Mülich deuten. Nicht abge- K wurde. l" 
bildet finden wir in dem Zeugbuch Kehren wir nun wieder 
den„ClausNarr",eine großeBüchse, zu dem Brunnen zurück! 
die der Meister zu Torgau goß und  5 I Durch die zwiefältige Künst- 
für die ihm der Gießerlohn mit 3 Gul- lerbezeichnung wird man ge- 
i" Eine entfernte Ähnlichkeit weist nur eme große Feldschlange „Draclw von 1514 im historischen 
Museum in Basel auf. S. Zeitschrift für historische Waffenkunde, Band VI, Seite 5x. 
"' Bergau a. a. 0. in der „Wartbun-g", Seite m.
	        

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